David Prochaska, Jordana Mendelson (Hg.): Postcards. Ephemeral histories of modernity, The Pennsylvania State University Press, University Park, Pennsylvania 2010, 234 S., 196 Abb.

Diese ambitionierte Publikation ist der erste Sammelband, der ausschließlich Aufsätze zum Thema Postkarte vereint. Wertvoll ist die Einführung, die einen Überblick über bisherige Forschungen im amerikanischen Raum gibt und damit einen wesentlichen Beitrag dazu leistet, die „post card studies“ als ein relevantes Forschungsfeld zu etablieren. Die inhaltlichen Zugänge reichen von Fragen der Darstellung von Stadt und Urbanität auf Postkarten über Repräsentationsweisen des Fremden und kulturell Anderen bis zu Beiträgen, die mediale Aspekte in den Vordergrund rücken (Schnappschüsse, Fotomontage) oder Bild-Text-Beziehungen auf Postkarten thematisieren. Der Band bietet zahlreiche Anregungen für eine methodisch anspruchsvolle Arbeit mit dem Medium. (ET)

Anton Holzer: Die Bewaffnung des Auges. Die drei Zinnen oder eine kleine Geschichte vom Blick auf das Gebirge, Turia und Kant, Wien 1996, 125 S., 46 Abb.

Obwohl Postkarten nicht im Titel stehen, zählt der Band zu den  wichtigen Publikationen zum Thema. Die Lektüre übt in erster Linie einen anderen Blick auf Postkartenbilder ein. Beispielgebend wird die Aufmerksamkeit darauf gelegt, welche Darstellungsmuster und Blickkonventionen über Postkarten popularisiert worden sind und so die Wahrnehmung des Gebirges wesentlich modelliert haben. Der Band steht im Schnittpunkt von Wahrnehmungsgeschichte, Tourismusforschung und politischer Geschichte, insofern die Ansichten der Drei Zinnen im Grenzgebiet von Österreich und Italien auch eine Geschichte nationaler Vereinnahmungen und Ausblendungen erzählen. (ET)

Clément Chéroux, Ute Eskildsen: Frankierte Fantastereien. Das Spielerische der Fotografie im Medium der Postkarte. Aus den Postkartensammlungen Gérard Lévy, Peter Weiss, Ausstellungskatalog Fotomuseum Winterthur, Jeu de Paume, Paris, Museum Folkwang, Essen, Steidl, Göttingen 2007, 215 S., 345 Abb.

Manche fotografischen Darstellungsformen, die nach dem Ersten Weltkrieg von Künstlern praktiziert worden sind, haben bereits davor auf illustrierten Postkarten Verwendung und entsprechend massenhafte Verbreitung gefunden. Vor allem Fotomontagen und Collagen sowie Doppelgängeraufnahmen sind schon in den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts für Werbe- und Scherzkarten genutzt worden. Wenn auch nicht der kulturgeschichtliche Hintergrund hinterfragt wird, eröffnet die Publikation gleichwohl vielfältiges Anschauungsmaterial, das ein frühes Bildbedürfnis breiter Kreise an solchen Kreationen deutlich macht. (TS)

Karin Walter: Postkarte und Fotografie. Studien zur Massenbild-Produktion, Würzburg 1995 (Veröffentlichungen zur Volkskunde und Kulturgeschichte, 56), 247 S., 33 Abb.

Das Aufkommen und die Verbreitung fotografisch illustrierter Postkarten ab Mitte der 1890er Jahre werden auf mehreren Ebenen behandelt, wozu gehört: die Begleitung des neuen Bildmediums in der zeitgenössischen Fotopresse, die gesetzlichen Regelungen zum Urheber- und Musterschutz, die verwendeten Verfahren zur Herstellung von Originalabzügen und gedruckten Wiedergaben, die wirtschaftlichen Folgen für das Fotografengewerbe, Motivwahl und -gestaltung im Zuge des zunehmenden Tourismus. Mit zwei zusätzlichen Fallstudien zu einem Postkartenverlag und einer Druckerei empfiehlt sich der Band für einen breiten Leserkreis als Einführung in die Frühzeit. (TS)

Anett Holzheid: Das Medium Postkarte. Eine sprachwissenschaftliche und mediengeschichtliche Studie, Erich Schmidt, Berlin 2011 (Philologische Studien und Quellen, Heft 231), 439 S., 195 Abb.

Die Autorin hat etwa 10.000 Postkarten vorwiegend nach linguistischen und kommunikationswissenschaftlichen Gesichtspunkten untersucht. Ob die schriftlichen Äußerungen privat oder geschäftlich erfolgt sind, Grüße oder Glückwünsche versendet wurden, Verliebte oder Vertreter unterschiedlicher sozialer Schichten Mitteilungen kommuniziert haben, werden die Texte hinsichtlich ihrer sprachlichen Ausdrucksformen und historischen Besonderheiten analysiert. Ein eigener Abschnitt widmet sich der illustrierten Postkarte. Der Band liefert nicht nur reichhaltiges Material für Philologen, sondern vor allem auch für Alltagshistoriker, Soziologen und Medienwissenschaftler. (TS)

Wolfgang Till: Alte Postkarten. Sammler-Katalog, Battenberg, Augsburg 1994 (Battenberg-Sammler-Kataloge), 201 S., 740 Abb.

Nach einführenden Bemerkungen zur Geschichte der illustrierten Postkarte und Ratschlägen für Sammler sowie einer Literaturliste mit über 200 Eintragungen offeriert der Bildteil mehr als 700 Abbildungen mit Beispielen vorwiegend aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Für sämtliche Stücke wird der jeweils geschätzte Marktpreis angeführt. Auch wenn nur wenige Exemplare in Farbe reproduziert sind, leistet der Sammlerkatalog mit der Präsenz einer Vielfalt von Motiven auf grafisch und fotografisch illustrierten Karten einen wertvollen Materialbeitrag zur Bildgeschichte innerhalb eines populären Mediums. (TS)