Dezember 2018

Das Programm für Heute. ZS für Film u. Theater Gmbh, Frankfurt/M.: Filmprogramm „Petterson und Brendel“, Hammer Tonfilm Verlag GmbH, Berlin, 1933, Faltblatt, 22x65,4 cm, Abb. Autotypie, beigeheftete „Künstler-Postkarte“ „Adolf Jahr“, Tiefdr., Priv.-Slg.

Im Gleichschritt

Im Zuge der aufkommenden Begeisterung für das Kino in den 1920er-Jahren haben zwei Massenmedien stark reüssiert: das Filmprogramm sowie die Postkarte mit Wiedergaben von darstellenden Künstlern und Künstlerinnen. In beiden Fällen war die Fotografie dem höheren Lob des Films verschrieben und gab daneben ein formidables Objekt für Sammler ab. Sie wirkten von den 1920er bis zu den 50er-Jahren nebeneinander und bezogen ihr Bildmaterial teilweise aus denselben Quellen. Sie übernahmen je unterschiedliche Rollen in der Reklame und traten daher auch nur ausnahmsweise gemeinsam auf: so in einem „Programm von Heute“ zu dem Film „Moskau – Shanghai“ aus dem Jahr 1936, auf dessen Umschlag ein Porträt der Hauptdarstellerin Pola Negri, das gleichzeitig als beiliegende illustrierte Postkarte vertrieben wurde, abgebildet war.

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November 2018

Brüder Kohn Wien I.: Wiener Theater Lieblinge, um 1918, Silbergelatinepapier, ungelaufen; Photoinstitut Bonartes.

Die Lieblinge des Sekretärs

Über hundert Schauspielerinnen und Schauspieler finden in einer Collage mit dem Titel „Wiener Theater Lieblinge” als bunt zusammengewürfelte Miniporträts auf der Bildseite der vorliegenden Postkarte Platz. Abgebildet sind – nur um welche der Bekanntesten zu nennen – unter anderen Alexander Girardi und Josef Jarno oder Katharina Schratt und Hedwig Bleibtreu.

Herausgegeben wurde die Karte vom Postkartenverlag der Brüder Kohn in Wien, der 1898 von Adolf, Alfred und Salomon Kohn gegründet worden war und mehrere Filialen und Verkaufslokale in Wien unterhielt. Getreu dem Motto des Unternehmens „Bediene dich selbst“ konnten die Kunden darin unter unzähligen Motiven für Postkarten wählen und auch drucken lassen.

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Oktober 2018

Anny Hausjell: Fiat 500 B in der Siedlung Riedersbach, Postkarte, Gelatineabzug, nach 1978, ungelaufen; Privatsammlung.

Mein Haus, mein Auto…

Im Jahr 1947 kam es in Trimmelkamm in Oberösterreich, zur Gründung der Salzach-Kohlenbergbau-Gesellschaft, kurz SAKOG. Der kleine Ort mit nur wenigen hundert Einwohnern liegt an der deutschen Grenze, etwa dreißig Kilometer nordwestlich von Salzburg. Junge Bergleute aus der Steiermark, Kärnten oder Salzburg sowie zahlreiche Ungarn-Flüchtlinge aus 1956, wurden damals für den Abbau von Braunkohle angeheuert. Im nahegelegenen Ort Riedersbach entstand bald eine eigene Wohnsiedlung für die Arbeiter.

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September 2018

Club der Amateur-Photographen in Graz: „Internationale Ausstellung für Amateur-Photographie Graz 1902“, R. Ei[c]kemeyer, New York, „The dance“, Postkarte, Autotypie, ungelaufen; Privatsammlung

Die Öffentlichkeit von Amateuren

Nachdem in den 1880er-Jahren einfacher zu handhabende Kameras und neue Aufnahmematerialien auf den Markt gekommen waren, begannen zunehmend Amateure, sich in ihrer freien Zeit der Fotografie zu widmen. Bald fanden sich Gleichgesinnte in Vereinen und Clubs zusammen und veranstalteten regelmäßige Treffen, tauschten Erfahrungen aus und zeigten ihre jüngsten Produkte den Kolleginnen und Kollegen. 1887 gründete sich als erste Institution in Österreich der „Club der Amateur-Photographen in Wien“ und zählte Ende des Jahres bereits 176 Mitglieder. 1890 folgte der „Club der Amateur-Photographen in Graz“, 1891 der „Club der Amateur-Photographen in Salzburg“.

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August 2018

H. Chipault, No. 167, Pavillon de l’Autriche, 1937, Silbergelatine, Photoinstitut Bonartes Wien.

Fenster in die Alpen

Die vorliegende Karte wurde anlässlich der Weltausstellung in Paris 1937 herausgegeben. Darauf abgebildet ist eine Außenansicht des österreichischen Pavillons, entworfen von Oswald Haerdtl, der bereits für die Außendarstellung des Ständestaates auf der Ausstellung 1935 in Brüssel verantwortlich zeichnete. Die Glasfront des Gebäudes gibt den Blick frei auf ein infrastrukturelles Prestigeprojekt des austro-faschistischen Regimes in Österreich: Gleichsam einem Fenster in die Alpen sieht man ein riesiges Wandbild der Fotografen Robert Haas mit den Maßen von 30 auf 10 Metern, das die Großglockner Hochalpenstraße zusammen mit Darstellungen von der Gesäuse- und Packstrasse zeigt.

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Juli 2018

Weltpostverein, Bern: „Wien“, um 1904, Postkarte, Silbergelatine, gelaufen am 16.8.1904 von Wien nach Kuklena; Photoinstitut Bonartes

Ganz Wien

Am 4. August 1904 erreichte eine Ansichtskarte aus Wien „Fräulein Fanynka“ in Kuklena bei Hradec Králové (deutsch: Königgrätz). Der Schreiber, ein gewisser „Ka[rel ?]“, bat die Adressatin um Vergebung, da er offensichtlich sein Wort gebrochen hatte, wie er selbst eingestand. „Es war mir unmöglich“, beteuerte er schuldbewusst. Wohl in Sorge, dass der Kontakt in Folge abbrechen könnte, ersuchte er „Fanynka“ um Erlaubnis, auch weiterhin schreiben zu dürfen. Viel mehr vermerkte er nicht, außer dem pflichtbewussten Gruß an die Familie. Es scheint, „Ka“ habe die Karte gerade deswegen ausgewählt, weil sie nur wenig Platz für Text bot, als ob nicht nur die Bildseite, sondern auch er von Wien ganz eingenommen waren.

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Juni 2018

Einladung zur Ausstellung „10 Jahre Selbstverlag – Publikationen von Thomas Bachler“, Kassel 1997, Postkarte, ungelaufen; Privatsammlung

Die eine Seite der Ikone

Auf dem Wiener Ostbahnhof kommt 1947 ein Zug mit entlassenen österreichischen Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion an. Sie werden von Politikern und einer jubelnden Menge empfangen, aber auch von Frauen, Müttern und Kindern, die ihren Mann, Sohn oder Vater in der Menge der Heimkehrer wiederzufinden hoffen. Vor allem diese Menschen beobachtet ein junger Fotoreporter, Ernst Haas (1921–1986), sieht die Freude in ihren Gesichtern, wenn sie einen Rückkehrer in die Arme schließen können, und die Trauer und Verzweiflung, nachdem sie niemanden erkennen konnten. Eine Frau hält den Ankommenden ein Porträtfoto entgegen in der Hoffnung, jemand würde dem Soldaten in der Gefangenschaft begegnet sein und sich an ihn erinnern.

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Mai 2018

Unbekannter Verlag, „Wien XVI., Arbeiterheim Ottakring“, Februar 1934, Silbergelatinepapier, ungelaufen, Privatsammlung.

„...und wir werden ganze Arbeit leisten“

„Wir werden morgen an die Arbeit gehen, und wir werden ganze Arbeit leisten.“ Dies waren die Worte von Emil Fey, dem damaligen Wiener Heimwehrführer und Vizekanzler im Regime des austro-faschistischen Ständestaates unter Kanzler Engelbert Dollfuß. Er läutete damit die finalen Aktionen ein, mit denen die letzten Kräfte der verbliebenen linken Gegenhegemonie in Gestalt des Republikanischen Schutzbundes zerschlagen werden sollten, nachdem Anfang Februar praktisch die komplette Führung des Schutzbundes bereits verhaftet worden war. Die Weigerung der Führung des Linzer Schutzbundes weitere Repressalien zu erdulden – die Aussage Feys galt als die ultimative Provokation – und die Entscheidung, Widerstand zu leisten, lösten am 12. Februar 1934 die gemeinhin als „Österreichischer Bürgerkrieg“ bezeichneten Kampfhandlungen in den Städten Linz und Wien, sowie an vereinzelten Industriestandorten aus.

 

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April 2018

Fotografie und Verlag Deutsches Hygiene-Museum: „Der durchsichtige künstliche Mensch“, Offiz. Karte Nr. 21, nach 1930, Silbergelatine, gelaufen am 23.6.1939 von Dresden nach Schwäbisch-Gmünd; Privatsammlung.

Nichts zu verbergen?

Am 23. Juni 1936 war Fritz, der Verfasser der vorliegenden Postkarte, nach einem zweitägigen Marsch in Dresden angelangt. Mit „Wasserblasen an den Füßen“ schrieb er aus einer Jugendherberge an seine Familie. Auf der Bildseite der Karte ist das auch heute noch bekannteste Exponat des Deutschen Hygiene-Museums in Dresden abgebildet: der „durchsichtige künstliche Mensch“, oder besser bekannt als „gläserner Mensch“.

Die lebensgroße Figur wurde erstmals 1930 ausgestellt und avancierte innerhalb kürzester Zeit zum Publikumsmagneten.

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März 2018

Fotogr. u. Verlag G. Kleinhans Erben, Semmering: „Semmering. Südbahnhotel“, 1904, Postkarte, braungetönter Lichtdruck, gelaufen am 20.3.1904? von Semmering nach Wien; Privatsammlung.

Refugium für Betuchte

„Liebes Fräulein!“, schreibt Emma Richter am 29. März an Fani Bilkenroth in Wien, “Uns geht es ganz gut, mit meiner Frisur ist sogar mein Mann zufrieden. Wann ich zurückkomme ist noch unbestimmt [...]“ Es ist anzunehmen, dass das Ehepaar im Südbahnhotel Quartier genommen hat, zumal es eine Postkarte mit der Ansicht des Gebäudes ausgewählt hat. Die Adressatin der Karte war die nach eigenen Angaben „geübte Friseurin“ von Frau Richter, was die Bemerkung zu ihrem Haarschnitt erklärt.

Die Aufnahme stammt von den Erben von Georg Kleinhans, die in Mürzzuschlag einen Fotobetrieb und in Semmering eine Dependance unterhalten haben. Die Karte wurde im Jahr 1904 aufgelegt, nachdem sich die Eröffnung der Semmeringbahn von Gloggnitz nach Mürzzuschlag zum fünfzigsten Mal jährte. Aus diesem Anlass wurden zahlreiche Festivitäten veranstaltet, in denen die Leistung des Erbauers Carl von Ghega gewürdigt wurde.

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Februar 2018

Unbekannter Fotograf, Verlag „Artysty“, Stanisławów: „Seria ‚T.G.‘ No. 8“, 1905, Postkarte, Lichtdruck, gelaufen von Sołotwina nach Wien 21.9.1905 bis 23.9.1905, Privatsammlung.

Luftkur in der Wildnis

Die vorliegende Karte ist die Nummer 8 einer Serie „T.G.“, eine Abkürzung für „Typy galicyjskie“ (galizische Typen), des Postkartenverlags „Artysty“ (Künstler) aus Stanisławów (damals auf Deutsch Stanislaw, heute: Stanislau). Gelaufen ist sie am 21. September 1905 von Sołotwina (deutsch: Solotwyn) in Galizien nach Wien. Adressat der Karte war der Hofrat Steinbach, ein leitender Angestellter des Webereiunternehmens Johann Liebig & Co., am Hauptsitz der Firma an der renommierten Adresse Wipplingerstraße 6 im ersten Bezirk. Die Textilindustriellenfamilie Liebig unterhielt zahlreiche Fabriken, der Betrieb war damit zu einem der bedeutendsten Webereiunternehmen in Europa und zum größten Arbeitgeber der Donaumonarchie aufgestiegen.

Der Vertrieb der Serie an Typenbildern aus Galizien folgte dem Zeitgeist: die Typisierungen der verschiedenen „Volksstämme“ der Monarchie im 19. Jahrhundert sollten ein Bewusstsein divergenter kollektiver nationaler Identitäten schaffen...

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Januar 2018

Unbekannt, Frauenporträt „Sidoni“, Bromsilberabzug, um 1905, ungelaufen; Privatsammlung

Die Eine von vielen

Die Fotopostkarte war einmal ein beliebtes und weit verbreitetes Medium, um sein eigenes Bildnis zu verschenken, zu verschicken oder auch als Erinnerung aufzubewahren. Während Postkarten mit Porträts Prominenter zu Hunderten, wenn nicht Tausenden aufgelegt wurden, gab es private Motive nur in Kleinsteditionen, oft auch nur als Unikate. Sie dienten nicht zur Bewerbung einer Person des öffentlichen Lebens, sondern vielmehr einem Memento der eigenen Person, also der Aufforderung „Gedenke mir!“.

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Dezember 2017

Unbekannter Fotograf: „Bayr. Landes-Industrie- Gewerbe- und Kunst-Ausstellung Nürnberg 1882“, Postkarte, farbige Lithografie, ungelaufen; Privatsammlung.

Herausstellung einer Ausstellung

Das 19. Jahrhundert verstand es, sich und seine Errungenschaften wirksam zur Darstellung zu bringen. Zu den bevorzugten Mitteln gehörte die Ausstellung, mit der sich ebenso Krönungsjubiläen feiern wie die Produkte der Industrie, des Gewerbes und der Kunst dem Publikum näherbringen ließen. Berichte und Anzeigen in der Presse sowie Plakate machten die Veranstaltungen bekannt. Fotografen wurden beauftragt, von den Ausstellungshallen und den Ständen der Teilnehmer Aufnahmen anzufertigen, die zunächst als Originalabzüge, später in gedruckter Form vervielfältigt wurden. Noch vor Ausstellungsbeginn kamen Fotografien von der Adaptierung des Geländes und vom Bau der Anlagen in Umlauf.

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November 2017

Marianne Strobl, Eigenverlag(?): Dampfschiff ‚Suppan‘ vor dem Landeplatz am Praterkai mit der Kaiser-Jubiläumskirche, 1921, ungelaufen, Silbergelatine; Photoinstitut Bonartes.

Industrie-Photograph[in]

Auf dem Begräbnis des nautischen Direktors der ‚Ersten Donau-Dampfschiffahrtsgesellschaft‘ (DDSG), Karl Viktor Suppan, 1921 wurde, wie in der Wiener Zeitung vom 31. Mai des Jahres nachzulesen ist, in einem „tiefgefühlten Nachruf“ vom Generaldirektor verlautbart, dass „als dauernde Ehrung des Dahingegangenen eines der Schiffe der DDSG den Namen ‚Suppan‘ tragen werde“. Noch im selben Jahr ging der Zugraddampfer ‚Suppan‘ in der Schiffswerft Óbuda in Budapest mit der Nummer 329 vom Stapel, um fortan Dienst als Zugmaschine auf der gesamten Donaustrecke zu versehen.

Dieser Dampfer bildet dann auch das Motiv der vorliegenden ungelaufenen Karte – gerade den Landeplatz der DDSG und die damals allgemein als Kaiser-Franz-Josef-Jubiläumskirche bekannte(eigentlich: Franz-von-Assisi-Kirche) stromaufwärts passierend.

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Oktober 2017

FotografIn unbekannt, Verlag Gerlach und Martin Gerlach, Wien: Frau mit Pferd, um 1905, gelaufen 1917, Silbergelatine koloriert; Privatsammlung

Die Reiterin

„Erinnerung sendet Jéža – Bitte schreiben Sie mitt [sic] ob es möglich ist am 27. d[es]. M[onats].“ In fein-säuberlicher Handschrift wurde diese kryptische Botschaft auf einer Postkarte niedergeschrieben, die am 17. Mai 1917 die kleine Stadt Nový Bydžov (heute in Tschechien) verließ, in Richtung Wiener Josefstadt. Der kurzen Nachricht selbst lassen sich nur einige wenige Informationen entnehmen. Das Wort ža bedeutet im Slowenischen etwa der Ritt oder das Reiten und ist wohl ein Kose- oder Deckname. Es bleibt unklar, ob AbsenderIn und Adressat sich jemals getroffen haben, aber was sonst könnte mit der „Erinnerung“ gemeint sein, die hier mitgeschickt wird?

 

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September 2017

Unbekannte/r Fotograf/en, Echt-Photo-Verlag Scheider: „Rotunde. Wien im Prater Wien. Brand der Rotunde. 17. IX. 1937“, Postkarte, Gelatine-Abzug, ungelaufen; Privatsammlung.

Eine Geschichte des Verschwindens

Die Rotunde war der Welt höchster Kuppelbau, als sie anlässlich der Wiener Weltausstellung 1873 im Gelände des Praters errichtet wurde. 32 in einem Kreis von 104 Metern Durchmesser angeordnete Stützpfeiler trugen die Dachkonstruktion, deren Spitze 85 Meter über dem Erdboden lag. Das Gebäude bildete die Mitte des Industriepalastes, der sich an zwei Seiten über insgesamt 900 m Länge und 200 m Breite erstreckte und eine Grundfläche von rund 70.000 m2 aufwies. Zwar war das mächtige Bauwerk nicht zu übersehen, doch wegen der Einbettung in die riesige Ausstellungshalle konnte sie von keinem Standort in ihrem vollen Ausmaß überschaut werden.

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August 2017

Leopold Reutlinger, Verlag S.I.P (Société Industrielle de Photographie), Paris: Domino-Spielstein, ab 1903, Silbergelatine, gelaufen am 24.4.1908 von Toulouse nach Carcassonne; Privatsammlung.

Blick dem Dominostein in die Augen!

Gesellschaftsspiele waren ab Anfang des 20. Jahrhunderts häufige Motive auf Postkarten. Im Gegensatz aber zu jenen wirklich als Spielmaterial verwendbaren Postkarten – hier divergierten die Karten je nach ihrer Verwendung als gedrucktes Spielbrett bei Spielen wie Mühle und ähnlichen oder als Spielobjekt selbst, indem gestanzte Dominosteine aus der Karte herausgelöst werden konnten, – war bei der vorliegenden Karte der Nutzen als Spielgerät eher nebensächlich. Zwar war Domino ein beliebtes Gesellschaftsspiel und wurde in der Wiener Variante des ‚Bukidomino‘ sogar als Glücksspiel mit Geldeinsätzen gespielt, bis es 1916 von offizieller Seite verboten wurde. In diesem Fall suchte aber der Fotograf wohl eher mit einer verspielten Variante die Porträts junger schöner Frauen unterzubringen, in Form von runden Bildern gleichsam den ‚Augen‘ der Dominosteine.

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Juli 2017

McDermid Photo Laboratories: „Bert Nelson wild steer riding“ (Calgary Stampede), um 1927, Silbergelatine, ungelaufen, Glenbow Archives, PA-3893-332.

Gefangen in der Bewegung

Am 7. Juli dieses Jahres ist es wieder soweit: die Calgary Stampede – mit für Nordamerika typischer Bescheidenheit als „The Greatest Outdoor Show on Earth“ bezeichnet – wird die Stadt Calgary im Westen Kanadas für zehn Tage in ein Cowboy-Paradies verwandeln. Das Ereignis wurde zunächst als Industrie- und Agrarmesse ab 1899 veranstaltet, um die Werbetrommel für die Stadt zu rühren und Bauern aus den umliegenden Provinzen nach Alberta zu locken. Bald war die Veranstaltung zu veritabler Größe angewachsen, wobei Rodeo, Pferderennen und das so genannte trick roping, bei dem Kälber mit einem Lasso möglichst schnell und kunstvoll eingefangen werden müssen, die Höhepunkte bildeten. Der Amerikaner Guy Weadick erkannte das Potential dieser Wettkämpfe, und im Jahr 1912 richtete er parallel zur Messe die erste Calgary Stampede als Reitsportturnier aus.

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Juni 2017

19. Ballonflug – Tag der Luftfahrt – [...] 27. April 1958“, Postkarte, gelaufen mit Ballonpost von Wien nach Selzthal, 27. bis 29. April 1958; Privatsammlung.

„Gott gebe nur, daß aus dem ganzen Fliegen etwas wird“

Im Zuge des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 war Paris von den deutschen Truppen umzingelt. Um Nachrichten aus der Stadt über die deutschen Linien ins unbesetzte Frankreich senden zu können, setzte man 67 unlenkbare Ballone und Brieftauben ein. Diese transportierten zwischen dem 23. September 1870 und dem 28. Januar 1871 2,5 Millionen Briefe und Postkarten. Nicht alle Ballone erreichten ihr Ziel, drei fielen den Deutschen in die Hände, zwei wurden Opfer der Fluten. In Tours wurden die Nachrichten gesammelt und von dort an die Empfänger weitergeleitet. Es war der Beginn der Ballonpost.

Auf diese Aktivitäten rekurrierte die Österreichische Postverwaltung nicht, als sie am 27. April 1958 den 19. BallonPostflug veranstaltete und dazu eine Ersttagskarte herausgab, sondern an ein Ereignis vor 150 Jahren. Erinnert wurde an einen Schweizer Uhrmacher, der 1792 in Wien eingebürgert worden war. „In seiner neuen Heimat konstruierte Jacob Degen einen Schlagflügelapparat in Verbindung mit einem Gasballon. Er flog damit am 15. November 1808 vom Prater nach Nußdorf und am 6. September 1810, vor Kaiser Franz I., vom Lustschloß Laxenburg nach Schönbrunn und zum k. k. Schloß Vösendorf.“

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Mai 2017

Anonym: „Simulant.“, Silbergelatine, nach 1904, ungelaufen, Privatsammlung.

Kopfloser Simulant

Während heutzutage eine Fotomontage wie jene auf dieser Postkarte mittels Photoshop eine leichte Übung darstellt, so waren derartige Eingriffe in ein Bild in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch eine aufwändige Angelegenheit. Damals trachteten Fotografen im Metier der Porträtfotografie nach zusätzlichen Vermarktungsmöglichkeiten, indem sie die schon alltäglich gewordenen Porträts um einen Spaßfaktor ergänzten und durch zum Teil schockierende Montagen beim Betrachter für einen Wow-Effekt sorgten. Die Ergebnisse der aufwändigen Bearbeitungen der Negative sollten außerdem den Beweis für die Kunstfertigkeit und die technischen Fähigkeiten des Fotografen erbringen. Das Schaffen von derartigen Illusionen traf genau den Geist der Zeit, in der sämtliche aus dem Surrealen und Geisterwelten entspringende Narrative großen Anklang in der Bevölkerung fanden, und somit waren kopflose Porträts in zahlreichen Ausführungen im Umlauf.

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April 2017

Anonym: „Friede!“, Verlag Albrecht und Meister AG (Amag), Berlin, Silbergelatine, gelaufen 22.9.1916; Privatsammlung

Friede!

„Die Bedeutung der Feldpost kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden“ (Stefan Zweig, Neues Wiener Journal, 5.1.1916). Der Erste Weltkrieg, die „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts, erschütterte die Gesellschaft in ihren Grundfesten, während die Feldpost und damit auch das Medium Postkarte florierten. In den Kriegsjahren wurden täglich mehrere Millionen Postsachen zwischen Front und zu Hause hin- und hergeschickt – zu einem großen Teil auf Staatskosten finanziert.

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März 2017

F. E. Brandt: „Salzkammergut. Alt-Aussee mit dem Dachstein 2996 m“, 1906, Postkarte, Photochromie; Privatsammlung

Ansichten vom Salzkammergut

Friedrich Ernst Brandt, 1860 in Laibach geboren, betätigt sich zunächst als Amateurfotograf, bevor er in den 1880er-Jahren als Leiter des Ateliers Gertinger in Wien arbeitet. 1883 wird er Mitglied der Photographischen Gesellschaft und zehn Jahre danach gründet er in Gmunden den Ansichtskartenverlag F. E. Brandt. Wenig später werden zudem ein Atelier und ein Fotogeschäft eröffnet. Der Betrieb wird von Brandt bis zu seinem Tod 1921 geleitet und anschließend bis in die 1960er Jahre unter demselben Namen von der Tochter weitergeführt.

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Februar 2017

Paul Bayer, Dresden: Moderne Galerie: Blauer Montag von I. Kaufmann, Seriennr. B 220, um 1900, Lichtdruck, ungelaufen, Privatsammlung.

Blauer Montag

Das Motiv der Karte zeigt eine Frau, die wohl ihren Mann zur (Wieder)aufnahme seiner Arbeit bewegen will. Dieser aber kann sich auf Grund seiner offensichtlichen Berauschung gerade einmal sitzend auf seinem Stuhl halten und denkt eher nicht daran, der Aufforderung Folge zu leisten. Nicht nur eine genauere Betrachtung der Räumlichkeiten erlaubt den Schluss, dass es sich bei dem Mann um einen Schuster handelt. Die Postkarte wurde vom Postkartenverlag Paul Bayer in Dresden als Reproduktion des Ölgemäldes „Der Schuhmacher“ von Isidor Kaufmann – einem bekannten Schöpfer von Genrebildern mit sozialen Themen und Darstellungen aus dem jüdischen Volksleben –  in Form eines Lichtdrucks aufgelegt und innerhalb der Serie „Moderne Galerie“ unter dem Titel „Blauer Montag“ vertrieben.

 

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Januar 2017

Horst von Harbou, Nibelungen I, Siegfrieds Tod, Uvatypie, ungelaufen, Österreichisches Filmmuseum, Wien

Ein bunter Heldentod

Fritz Lang begann 1922 die Dreharbeiten zu „Die Nibelungen“, einem zweiteiligen Epos, das zwei Jahre später veröffentlicht werden sollte. Der erste Teil „Siegfried“ wurde wenige Monate vor der Fortsetzung „Kriemhilds Rache“ 1924 in Berlin uraufgeführt. Damals waren Standfotos oder Film-Stills die bevorzugte Form der Werbung für Filme und daher kann man annehmen, dass jenes Motiv des sterbenden Siegfried aus einer 12-teiligen Serie (Nr. 405) auch diesem Zweck diente.

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Dezember 2016

d’Ora, Fritzi Massary, Postkarte, Silbergelatine, gelaufen: 13. März 1924 von Wien nach Barnstorf bei Bremen, Preus museum, Horten (Norwegen).

Sammlerherz

Im Frühling 1924 kontaktierte ein gewisser Willem Grütter das Fotoatelier d’Ora in Wien. Seine Anfrage beantwortete offensichtlich die Inhaberin selbst, die renommierte Gesellschaftsfotografin Dora Kallmus, genannt Madame d’Ora. Grütter schien sich nach dem Erwerb von Fotografien Prominenter – wie zum Beispiel des Opernsängers Alfred Piccaver, dem österreichischen Operettenstar Louise Kartousch oder der Sängerin Fritzi Massary – erkundigt zu haben. D’Ora schrieb ihm eine Fotopostkarte zurück, auf der die Massary, lasziv blickend und von üppigem Federschmuck flankiert, Werbung für das Studio in der Wipplingerstraße 24 machte, dessen Spezialität eben jene glamourösen Porträts waren.

 

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November 2016

Anonym, Verlag Philipp Rubel, Wien: „Der Bombenwerfer Čabrinović“, Sarajewo, Juni 1914, maschineller Originalabzug, Silbergelatine, ungelaufen; Privat-sammlung

Wechselvolle Geschichte/n

1971 wurde das Motiv dieser Postkarte in der Nummer 3 der deutschen Monatsschrift Foto und Film-Prisma mit folgender Legende vorgestellt: „Philipp Rubel: Gefangennahme von Gavrilo Princip nach dem Attentat auf Erzherzog Franz Ferdinand, Sarajewo, 28. Juni 1914“. In seiner Geschichte der Photographie von 1983 veröffentlichte der bekannte amerikanische Fotohistoriker Helmut Gernsheim das Bild mit nahezu gleichlautender Unterschrift: „Philipp Rubel: Die Festnahme von Gavrilo Princip nach dem Attentat auf Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajewo am 28. Juni 1914“.

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Oktober 2016

R. Rivière, "Catastrophe des Ponts-de-Cé, 4 août 1907, Une heure après l’accident". Lichtdruck, 1907, gelaufen von Angers nach Ponts-de Cé am 13. August 1907, Privatsammlung.

"Une heure après l’accident" – Bildliche Tagesberichterstattung auf Postkarten

An einem sommerlichen Sonntag, dem 4. August 1907, fanden sich zahlreiche Einwohner von Angers und Umgebung am Bahnhof Saint-Laud ein, um den Zug zu besteigen, der sie – so dachten sie jedenfalls – an die Ufer der Loire bringen würde, um dort im Beisein ihrer Familien einen Tag der Entspannung und Erholung zu verbringen. Doch die Reise wurde unvermittelt und dramatisch durch den Einsturz der Brücke über die Loire bei Ponts-de-Cé beendet. Gerade als sich der Zug zwischen Widerlager und erstem Pfeiler befand, gab die Fahrbahnplatte mit samt den Gleisen unter seiner Last nach und brach durch, so dass die Lokomotive und die ersten vier Waggons in den Fluss stürzten.

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September 2016

Edition J. Bouveret in Le Mans : Rêves Rosés, um 1915, Chromolithografie, ungelaufen, Sammlung Mila Moschik

Rêves Rosés

Diese Karikatur stellt einen Traum Kaiser Wilhelms II. dar. Es ist eine französische Antipropaganda-Karte aus dem Ersten Weltkrieg, die in der Edition J. Bouveret in Le Mans um 1915 erschien. Die Erklärung zum Bild „Rêves Rosés – vingt millards... Algérie… Tunisie... Maroc... Entrée à Paris... Flotte britannique anéantie... Debarquement en Angleterre... Russie demande grâce... Le monde est à moi... Etc.“ wird unten eingeblendet. Der deutsche Kaiser hat rosige Träume von der Eroberung Algeriens, Tunesiens, Marokkos und Frankreichs, der Zerstörung der englischen Flotte, einem Russland, das um Gnade bittet – kurzum von einer Welt, die ihm gehört.

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August 2016

Bavaria Filmkunst, Film Foto Verlag, „Harald Kreutzberg“, 1943, Silbergelatine, ungelaufen, Privatsammlung

Ein Schelm, der Böses dabei denkt

Harald Kreutzberg ist einer der bekanntesten, wenn nicht der bekannteste deutsche Tänzer. Von Max Reinhardt 1926 für die Salzburger Festspiele entdeckt, wurde er innerhalb kürzester Zeit zum Publikumsliebling, erkennbar an dem stets kahlgeschorenen Kopf, aber vor allem dem unverwechselbaren, expressiven Tanzstil und seinen „sprechenden Händen“. Seine Spezialität waren dunkle, abgründige Charaktere und Darstellungen psychischer Ausnahmezustände.

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Juli 2016

Carl Otto Hayd, München: Briefmarkensatz der Österreichischen Post 1901/02, 9 x 13,8 cm, Chromolithografie, Prägekarte, gelaufen 1903? von Wien nach Wien; Privatsammlung

Ein Satz Briefmarken

Ansichtskarten mit Darstellungen von Briefmarken werden in der einschlägigen Sammlerliteratur als bildliche Kommentare zur Postgeschichte verstanden. Jene Exemplare, auf denen vollständige Sätze wiedergegeben sind, verweisen zudem auf ein konstitutives Element des Sammelns, das nach Komplettierung der Kollektion strebt. Ob bestimmte Motive, Sonderausgaben, Fehl- oder Probedrucke, Fälschungen, Neu- oder Nachdrucke der Postverwaltung eines Landes gesucht werden – nur selten wird man sämtliche je erschienenen Stücke finden können.

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