März 2017

F. E. Brandt: „Salzkammergut. Alt-Aussee mit dem Dachstein 2996 m“, 1906, Postkarte, Photochromie; Privatsammlung

Ansichten vom Salzkammergut

Friedrich Ernst Brandt, 1860 in Laibach geboren, betätigt sich zunächst als Amateurfotograf, bevor er in den 1880er-Jahren als Leiter des Ateliers Gertinger in Wien arbeitet. 1883 wird er Mitglied der Photographischen Gesellschaft und zehn Jahre danach gründet er in Gmunden den Ansichtskartenverlag F. E. Brandt. Wenig später werden zudem ein Atelier und ein Fotogeschäft eröffnet. Der Betrieb wird von Brandt bis zu seinem Tod 1921 geleitet und anschließend bis in die 1960er Jahre unter demselben Namen von der Tochter weitergeführt.

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Februar 2017

Paul Bayer, Dresden: Moderne Galerie: Blauer Montag von I. Kaufmann, Seriennr. B 220, um 1900, Lichtdruck, ungelaufen, Privatsammlung.

Blauer Montag

Das Motiv der Karte zeigt eine Frau, die wohl ihren Mann zur (Wieder)aufnahme seiner Arbeit bewegen will. Dieser aber kann sich auf Grund seiner offensichtlichen Berauschung gerade einmal sitzend auf seinem Stuhl halten und denkt eher nicht daran, der Aufforderung Folge zu leisten. Nicht nur eine genauere Betrachtung der Räumlichkeiten erlaubt den Schluss, dass es sich bei dem Mann um einen Schuster handelt. Die Postkarte wurde vom Postkartenverlag Paul Bayer in Dresden als Reproduktion des Ölgemäldes „Der Schuhmacher“ von Isidor Kaufmann – einem bekannten Schöpfer von Genrebildern mit sozialen Themen und Darstellungen aus dem jüdischen Volksleben –  in Form eines Lichtdrucks aufgelegt und innerhalb der Serie „Moderne Galerie“ unter dem Titel „Blauer Montag“ vertrieben.

 

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Januar 2017

Horst von Harbou, Nibelungen I, Siegfrieds Tod, Uvatypie, ungelaufen, Österreichisches Filmmuseum, Wien

Ein bunter Heldentod

Fritz Lang begann 1922 die Dreharbeiten zu „Die Nibelungen“, einem zweiteiligen Epos, das zwei Jahre später veröffentlicht werden sollte. Der erste Teil „Siegfried“ wurde wenige Monate vor der Fortsetzung „Kriemhilds Rache“ 1924 in Berlin uraufgeführt. Damals waren Standfotos oder Film-Stills die bevorzugte Form der Werbung für Filme und daher kann man annehmen, dass jenes Motiv des sterbenden Siegfried aus einer 12-teiligen Serie (Nr. 405) auch diesem Zweck diente.

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Dezember 2016

d’Ora, Fritzi Massary, Postkarte, Silbergelatine, gelaufen: 13. März 1924 von Wien nach Barnstorf bei Bremen, Preus museum, Horten (Norwegen).

Sammlerherz

Im Frühling 1924 kontaktierte ein gewisser Willem Grütter das Fotoatelier d’Ora in Wien. Seine Anfrage beantwortete offensichtlich die Inhaberin selbst, die renommierte Gesellschaftsfotografin Dora Kallmus, genannt Madame d’Ora. Grütter schien sich nach dem Erwerb von Fotografien Prominenter – wie zum Beispiel des Opernsängers Alfred Piccaver, dem österreichischen Operettenstar Louise Kartousch oder der Sängerin Fritzi Massary – erkundigt zu haben. D’Ora schrieb ihm eine Fotopostkarte zurück, auf der die Massary, lasziv blickend und von üppigem Federschmuck flankiert, Werbung für das Studio in der Wipplingerstraße 24 machte, dessen Spezialität eben jene glamourösen Porträts waren.

 

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November 2016

Anonym, Verlag Philipp Rubel, Wien: „Der Bombenwerfer Čabrinović“, Sarajewo, Juni 1914, maschineller Originalabzug, Silbergelatine, ungelaufen; Privat-sammlung

Wechselvolle Geschichte/n

1971 wurde das Motiv dieser Postkarte in der Nummer 3 der deutschen Monatsschrift Foto und Film-Prisma mit folgender Legende vorgestellt: „Philipp Rubel: Gefangennahme von Gavrilo Princip nach dem Attentat auf Erzherzog Franz Ferdinand, Sarajewo, 28. Juni 1914“. In seiner Geschichte der Photographie von 1983 veröffentlichte der bekannte amerikanische Fotohistoriker Helmut Gernsheim das Bild mit nahezu gleichlautender Unterschrift: „Philipp Rubel: Die Festnahme von Gavrilo Princip nach dem Attentat auf Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajewo am 28. Juni 1914“.

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Oktober 2016

R. Rivière, "Catastrophe des Ponts-de-Cé, 4 août 1907, Une heure après l’accident". Lichtdruck, 1907, gelaufen von Angers nach Ponts-de Cé am 13. August 1907, Privatsammlung.

"Une heure après l’accident" – Bildliche Tagesberichterstattung auf Postkarten

An einem sommerlichen Sonntag, dem 4. August 1907, fanden sich zahlreiche Einwohner von Angers und Umgebung am Bahnhof Saint-Laud ein, um den Zug zu besteigen, der sie – so dachten sie jedenfalls – an die Ufer der Loire bringen würde, um dort im Beisein ihrer Familien einen Tag der Entspannung und Erholung zu verbringen. Doch die Reise wurde unvermittelt und dramatisch durch den Einsturz der Brücke über die Loire bei Ponts-de-Cé beendet. Gerade als sich der Zug zwischen Widerlager und erstem Pfeiler befand, gab die Fahrbahnplatte mit samt den Gleisen unter seiner Last nach und brach durch, so dass die Lokomotive und die ersten vier Waggons in den Fluss stürzten.

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September 2016

Edition J. Bouveret in Le Mans : Rêves Rosés, um 1915, Chromolithografie, ungelaufen, Sammlung Mila Moschik

Rêves Rosés

Diese Karikatur stellt einen Traum Kaiser Wilhelms II. dar. Es ist eine französische Antipropaganda-Karte aus dem Ersten Weltkrieg, die in der Edition J. Bouveret in Le Mans um 1915 erschien. Die Erklärung zum Bild „Rêves Rosés – vingt millards... Algérie… Tunisie... Maroc... Entrée à Paris... Flotte britannique anéantie... Debarquement en Angleterre... Russie demande grâce... Le monde est à moi... Etc.“ wird unten eingeblendet. Der deutsche Kaiser hat rosige Träume von der Eroberung Algeriens, Tunesiens, Marokkos und Frankreichs, der Zerstörung der englischen Flotte, einem Russland, das um Gnade bittet – kurzum von einer Welt, die ihm gehört.

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August 2016

Bavaria Filmkunst, Film Foto Verlag, „Harald Kreutzberg“, 1943, Silbergelatine, ungelaufen, Privatsammlung

Ein Schelm, der Böses dabei denkt

Harald Kreutzberg ist einer der bekanntesten, wenn nicht der bekannteste deutsche Tänzer. Von Max Reinhardt 1926 für die Salzburger Festspiele entdeckt, wurde er innerhalb kürzester Zeit zum Publikumsliebling, erkennbar an dem stets kahlgeschorenen Kopf, aber vor allem dem unverwechselbaren, expressiven Tanzstil und seinen „sprechenden Händen“. Seine Spezialität waren dunkle, abgründige Charaktere und Darstellungen psychischer Ausnahmezustände.

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Juli 2016

Carl Otto Hayd, München: Briefmarkensatz der Österreichischen Post 1901/02, 9 x 13,8 cm, Chromolithografie, Prägekarte, gelaufen 1903? von Wien nach Wien; Privatsammlung

Ein Satz Briefmarken

Ansichtskarten mit Darstellungen von Briefmarken werden in der einschlägigen Sammlerliteratur als bildliche Kommentare zur Postgeschichte verstanden. Jene Exemplare, auf denen vollständige Sätze wiedergegeben sind, verweisen zudem auf ein konstitutives Element des Sammelns, das nach Komplettierung der Kollektion strebt. Ob bestimmte Motive, Sonderausgaben, Fehl- oder Probedrucke, Fälschungen, Neu- oder Nachdrucke der Postverwaltung eines Landes gesucht werden – nur selten wird man sämtliche je erschienenen Stücke finden können.

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Juni 2016

Gustav A. Stosius, um 1910, Silbergelatineabzug, gelaufen von Prag nach Laa a. d. Thaya, Poststempel 1.9.1911, Privatsammlung.

Geldtag beim Oberlehrer

Für diese Aufnahme öffnete sich dem Fotografen –  wahrscheinlich auf seine Anweisung hin, denn alle Blicke sind gebannt auf ihn gerichtet  – ein Spalier, und eine bunt zusammengewürfelte  Menschenmenge gab den Blick  auf den Grund für die vielen Schaulustigen frei, die sich  an jenem Tag auf einem Feld versammelt hatten: ein Doppeldecker-Flugzeug. Die Fotografie dieser Postkarte, ein Originalabzug in Silbergelatine, stammt von Gustav Adolf Stosius.

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Mai 2016

Unbekannt, Privataufnahme, April 1919, Silbergelatineabzug, gelaufen von Brünn nach Wien, Poststempel 12.4.1919, Privatsammlung

Ein mysteriöser Mann

Inmitten einer heiter wirkenden Menge steht wahrscheinlich Ery van Brée-Andrussen, breitbeinig und selbstbewusst, ein Mann vieler Talente. Als „genialster Telepath der Gegenwart“ tingelte Andrussen mit seinem Programm durch ganz Österreich und zahlreiche weitere Länder in Europa. Etwa 2.000 Vorstellungen soll er nach eigenen Angaben bis 1928 gegeben haben.

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April 2016

Ohne Verlagsangaben: „Wiener Internationale Messe“, 13,9 x 9 cm, maschineller Originalabzug, Silbergelatine, Sonderstempel 6. X. 1946; Privatsammlung

Wiener Messe 1946

1946 begann das österreichische Parlament mit der Verstaatlichung von 70 Industriebetrieben, Banken und Elektrizitätsunternehmen, um den alliierten Besatzern keinen Zugriff zu ermöglichen. Zugleich wurden Investitionen getätigt, um die Handelsbeziehungen mit dem Ausland in Gang zu setzen. Dazu zählte auch die Durchführung von Messen, darunter die erste internationale Veranstaltung ihrer Art im Jahr 1946. An dieser „Friedensmesse“, wie sie auch tituliert wurde, beteiligten sich Aussteller aus den USA, Großbritannien und Frankreich sowie aus weiteren sieben europäischen Staaten.

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März 2016

Herold, H. „Meergeist der Nordsee.“ Original-Aufnahme während der Sturmflut vom 9. September 1924. Das Bild zeigt den Kopf eines Meergeistes im Profil. 1924, Raster-Kupfertiefdruck, ungelaufen; Photoinstitut Bonartes.

Ein böses Omen - "Meergeist der Nordsee"

Eine Strandpromenade ist eingehüllt in die Gischt von aufprallenden Brandungswellen während eines heftigen Sturms. Die Adress-Seite klärt uns auf: Es handle sich hier um eine „Original-Aufnahme während der Sturmflut vom 9. September 1924“. Und weiter: „Das Bild zeigt den Kopf eines Meergeistes im Profil.“ „Meergeist der Nordsee“ ist auch der Titel der Aufnahme vom Fotograf H. Herold, der in der Friedrichsstraße in Westerland ein Fotohaus sowie einen Postkartenverlag betrieb und sonst vorrangig Prominente in der Touristendestination auf Sylt fotografierte.

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Februar 2016

Anna Koppitz, „Bauernmädel aus der Reichsschule des Reichsnährstandes Burg Neuhaus“,Verlag F. Bruckmann: München 1940, Nr. 16 der Serie, Bromsilbergelatine, ungelaufen, Archiv Freundeskreis Burg Neuhaus

Blutige Idylle

Ein Mädchen sitzt in einer Wiese und rupft einem Blümchen die Blütenblätter aus. Sie ist fröhlich lächelnd beim letzten angelangt – denkt sie an einen hübschen Jungen, in den sie sich verliebt hat? Ihr strohblondes Haar ist zu einem Zopf gebunden, und einige Strähnen haben sich daraus gelöst. Der Ausdruck auf ihrem ungeschminkten Gesicht wirkt natürlich, und ihr Dirndl sieht bequem aus, gibt dem Bild eine volkstümliche, zeitlose Note. Es ist eine idyllische Szene, doch der Schein trügt. Das Foto entstand 1939 in Deutschland, und das Modell wurde zur Ausbildung einer Elite-Bauernjugend ausgewählt.

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Januar 2016

GL Co. [Gustav Liersch u. Co., Berlin]: „Mode 1909!!!“, Nr. 12 der Serie 2158, 13,3 x 8,5 cm, maschineller Originalabzug, Silbergelatine, gelaufen am 6. Mai 1909 von Wien nach Wien; Privatsammlung

Mode 1909

Was hat den Berliner Verlag Gustav Liersch & Co. dazu bewegt, eine Serie von illustrierten Postkarten mit dem Titel „Mode 1909!!!“ zu veröffentlichen? Ausnahmslos handelt es sich um sogenannte Brustporträts, für die immer dasselbe Modell in unterschiedlicher Kleidung und Haltung posiert hat. Die junge Frau hat jeweils das Kleid beziehungsweise die Bluse gewechselt und einen anderen Hut aufgesetzt;

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Dezember 2015

Unbekannter Fotograf, „La pantalon du Géant HUGO. HUGO offre 1.000 francs à son rival.“ nach 1904, 13,8 x 9,2 cm, Lichtdruck, gelaufen nach 1907 von Reignac, Gironde nach Pont d'Ouilly, Calvados, Frankreich, Privatsammlung.

Ein „Riesen-Autogramm“? – „Géant Hugo offre 1000 francs à son rival“

1000 Francs Belohnung werden laut gedrucktem Text auf der Bildseite demjenigen geboten, der im Stande war, die zu seiner Zeit angeblich unerreichten Körpermaße des „Riesen“ Baptiste Hugo, geboren 1879 in den italienischen Alpen, zu übertreffen. Und diese waren in der Tat beeindruckend – den biografischen Angaben auf der Karte nach maß er mit 25 Jahren 230 Zentimeter, wog 430 Pfund, hatte Schuhgröße 61 und konnte ohne Probleme eine 5 Francs-Münze mit seinem Daumen überdecken.

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November 2015

Richard Klein, Verlag Heinrich Hoffmann, beide München: „13. März 1938 Ein Volk ein Reich ein Führer“, 1938, 14,7 x 10,5 cm, farbiger Kombinationsdruck, ungelaufen; Privatsammlung

Das Spektakel einer Abstimmung

Zwei bekannte Figuren stehen für die gestalterische und verlegerische Seite der vorliegenden Postkarte. Der Entwurf der Karte stammt von Richard Klein (1890–1967), einem Münchner Maler, Grafiker und Medailleur, der bereits im Ersten Weltkrieg Postkarten mit patriotischen Motiven angefertigt hatte. Seit 1935 fungierte er als Direktor der Staatsschule für angewandte Kunst in München, nach der Erhebung zur Hochschule zudem als Professor. Schon ab 1933 hatte er Embleme und Orden entworfen, und im April 1937 erfolgte die Herausgabe einer Briefmarke mit dem Porträt Hitlers. 

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Oktober 2015

Strelisky Budapest, Kosáry Emma (Csárdáskirályné), Silbergelatine, 1916, Rotophot-Verlag, Budapest, ungelaufen

Die Kleider der Csárdásfürstin

Als der ungarische Komponist Emmerich Kálmán 1914 an einem neuen Stück zu arbeiten begann, konnte er noch nicht wissen, dass es unter anderem aus politischen Gründen bald großen Erfolg haben sollte. Er tüftelte an einer Operette mit einer heißblütigen, rumänischen Sängerin in der Hauptrolle, die einem hohen Adligen den Kopf verdreht. Der Ausbruch des Kriegs führte aber erst einmal zu einer Schaffenspause. Kálmán soll dazu gesagt haben, dass er keine Liebe für Musik aufbringen könne, wenn sich die Welt an den Fronten gegenseitig umbringt.

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September 2015

Unbekannter Autor, [Verlags-Signet unbekannt], Gruß aus Hamburg, Silbergelatine in goldfarbenem Prägerahmen auf rotem Postkartenkarton mit Goldschnitt und Prägelettern, um 1900, gelaufen 16.4.1901 von Hamburg nach Altenburg, Privatsammlung.

Ein Gruß luxuriöser Prägung

Bei einem ersten Blick auf die Bildseite der Karte beeindruckt ihre aufwendige Gestaltung. Die Postkarte ist aus rot durchgefärbtem Papier gefertigt und mit goldfarbenen Prägerahmen und -lettern, sowie mit Goldschnitt versehen. In den Rahmen ist ein Originalabzug auf Silbergelatine montiert. Das prunkvolle Design dieser damals sicherlich kostspieligen Karte ist angelehnt an die Machart von Jubiläumskarten und Andenkenbildchen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, deren Veredelung durch die Hochblüte der Luxuspapierindustrie vorangetrieben wurde.

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August 2015

Unbekannter Autor, Verlag Éditions de Lorraine: „François-Joseph“, Nr. 2 aus der Serie „Les monstres des cathédrales“, 2015, Lichtdruck, ungelaufen, Privatsammlung

Krieg der Postkarten

Fotomontagen und -collagen erlauben, Beziehungen zwischen Personen und/oder Dingen herzustellen, die in der Realität nichts miteinander zu tun haben. Doch nicht nur die Räume können in solchen Konstrukten aufgehoben sein, sondern auch die Zeiten spielen keine Rolle. In der Frühzeit der fotografisch illustrierten Postkarte erhoben sich gelegentlich Autos mit einmontierten Passagieren in den Himmel, um über architektonischen Sehenswürdigkeiten zu schweben. Mit solchen Ansichten meldeten sich Touristen bei den Daheimgebliebenen, um zu zeigen, wohin sie ihre Reise geführt hatte.

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Juli 2015

Anonym, Privataufnahme, Silbergelatineabzug, um 1904, gelaufen von Wien über Puchberg am Schneeberg bis nach Meran, Poststempel 31.10.1904, Privatsammlung

Eine Frage von Leben oder Tod

„Sein oder nicht Sein, das ist die Frage“, seufzte der junge Mediziner Wilhelm Neumann tiefsinnig … Während Hamlet mit dem berühmten Satz über sein eigenes Ableben sinniert hatte, bezog sich jener wohl eher auf ein flächendeckenderes und vor allem drängendes Problem seiner Zeit: die Tuberkulose. Die beiden jungen Männer, die für die fotografisch illustrierte Postkarte vor aufgeschlagenen Büchern und Mikroskop Modell saßen, sind aller Wahrscheinlichkeit nach Neumann selbst und sein Kollege Hermann Wittgenstein, Cousin des berühmten Philosophen Ludwig (der zu diesem Zeitpunkt noch die Schulbank drückte).

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Juni 2015

JKO-Verlag, Prag: „Witkowitz. Eisenwerke“, Fotogravüre, gelaufen am 18. August 1930 nach Wien, Privatsammlung.

Auf des Kaisers Bahn zu Großvater-Ehren

„Bin soeben nach Besuch Groß Vater [geworden]!“ Das ist die wesentliche Botschaft vom Ehemann an seine Gattin in der am 18. August 1930 nach Wien gelaufenen Postkarte. Die Wahl der Ansichtskarte – sie zeigt eine Totale des Eisenwerkes Witkowitz (heute Vítkovice) – mag für eine solche Nachricht merkwürdig erscheinen, wird aber durch den weiteren Inhalt nachvollziehbar. Der Schreiber hatte, wie er bekundet, auf seiner Zugreise nach Bielsko (heute Bielsko-Biała) im polnischen Schlesien während eines Aufenthaltes an der Strecke nur wenig Zeit und mag sich deshalb für das damals sehr gängige Motiv der Eisenwerke entschieden haben.

 

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Mai 2015

Abraham Myron Schein, Wien: Beate Inaya, um 1926, Postkarte, Bromsilberabzug (braun), ungelaufen, Privatsammlung

Halbakt und Porträt

Dem Anteil der Frauen an der fotografischen Bildwelt Wiens wurde in jüngster Zeit verstärkte Aufmerksamkeit gewidmet. Sie gilt in geringerem Maße der Frau als Modell, also ihrer Präsenz vor der Kamera, als ihrer Kreativität als Bildautorin, nämlich ihrer Leistung hinter der Kamera. Insbesondere sind es die 1920er Jahre, auf die geblickt wird, gelten sie doch als jene Dekade, in der mit ungewohnten Sichtweisen und Inszenierungen die Moderne der Fotografie das Licht der Welt erblickt hat. 

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April 2015

Anonym, Silbergelatineabzug, um 1915/16, Karte im Kuvert verschickt, ungelaufen; Privatsammlung

Verwischte Fronten: Der kleine Josi als Kosake

Vermutlich im Jahr 1915 oder 1916, an einem Tag im September schickte der kleine Franz Joseph eine Postkarte an seinen Onkel Karl, wohlweislich in einem Briefkuvert versteckt. Die Vorderseite zeigt den Bub zweimal, in kurzem Abstand hintereinander fotografiert mit einem kleinen Spielzeugdegen, Munitionstäschchen, einer zusammengerollten Plache um die Brust und einem Flobert-Gewehr. Rückseitig hatte „Josi“ in sorgfältiger Schülerschrift vermerkt, dass er hier als „Kosack“ zu sehen sei...

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März 2015

Foto-Technik A. Stefsky, Wien IX. : „Zürs – Blick auf Rockspitze-Trittkopf v. Zürsersee“, Silbergelatineabzug, 1930, gelaufen am 16. April 1932 von Zürs nach Stainach; Privatsammlung.

„Liebe Mama“ – Heimatliche Grüße aus dem Skiparadies

Eine herrliche Aussicht auf ein alpines Panorama im Arlberggebiet bot sich dem Skiläufer nach mühsamem Aufstieg, aber umso genüsslicherer Abfahrt vom Madloch Joch hinab zum Zürser See. Eben dieser Ausblick nach halber Strecke über den See auf Roggspitze und Trittkopf – dazwischen noch die mächtige Valluga, die in der Bildbeschriftung aber keine Erwähnung gefunden hat – wurde auf dieser Fotopostkarte von 1930 festgehalten: ein eindrucksvolles Spiel von Licht und Schatten in einer sich von sanften verschneiten Hängen hin zu schroffen Gipfeln wandelnden Bergwelt.

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Februar 2015

Charles Scolik, Verlag A[lbin]. S[ockl]. W[ien].: „Leopold Kramer. Deutsches Volkstheater“, aus der Serie „Wiener Lieblinge“, um 1901, Lichtdruck (braun), Correspondenz-Karte, ungelaufen, Privatsammlung

„Wiener Lieblinge“

Betont lässig posiert der am Wiener Deutschen Volkstheater wirkende Schauspieler vor der Kamera. Auf dem Schreibtisch sitzend und den rechten Fuß auf den davor stehenden Stuhl gestellt, hält er in der rechten Hand ein Textbuch und in der linken eine Zigarre. Es ist sicherlich nicht die übliche Haltung, die er beim Studium einer Rolle einnimmt, doch sie passt zu den locker arrangierten Gegenständen im gründerzeitlichen Wohnzimmer des Hausherrn.

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Januar 2015

"Anna Benesch, Cannes 1928“, Silbergelatineabzug (auf Papier von R. Guilleminot Bœspflug et Cie, Paris), ungelaufen; Privatsammlung

Gut behütet ins neue Jahr

Die Promenade de la Croisette entlang zu spazieren, bedeutete ein Muss für die schicke Dame von Welt, lange bevor es die Filmfestspiele in Cannes gab. Schon im 19. Jahrhundert war die kleine Stadt an der Côte d’Azur ein beliebtes Reiseziel der Aristokratie, der Reichen und Berühmten – man verbrachte gern den Winter dort. 1928, zum Zeitpunkt der Aufnahme, waren das feudale Carlton und zahlreiche weitere Luxushotels nach dem Krieg dabei, ihren alten Ruhm wiederzuerlangen.

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Dezember 2014

Atelier E. Felly, Isny/Baden Württemberg: „Die Donau von Passau bis Wien – Vogelschaubild N. 1“, Autochromdruck, gelaufen 1910 von Engelhartszell nach Mettmach bei Ried im Innkreis/Oberösterreich; Privatsammlung.

Weitsicht im kleinen Format

Zunächst bestieg man Türme, um ein größeres Blickfeld vor sich zu haben. Ende des 18. Jahrhunderts schließlich ließen sich einige vom Heißluftballon in den Himmel tragen, denn sie wollten noch weiter sehen. Der aufklärerische Geist jener Jahre verlangte nach neuen Blicken auf die Welt, die jedoch nur wenigen vergönnt waren. Wer sich den Traum vom Fliegen nicht erfüllen konnte, suchte nach einem Ersatz, mit dem er in den eigenen vier Wänden seine Wünsche zu befriedigen vermochte.

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November 2014

Photo Ellinger: Hans Moser als „Zettel“ in William Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“, Silbergelatine, ungelaufen, 1927, © Archiv der Salzburger Festspiele/Photo Ellinger

Auf Autogrammjagd in Salzburg

Die junge Salzburgerin Betty Steinhart ließ sich noch während des Ersten Weltkrieges 1916 auf das Risiko ein, das Fotostudio Karl Ellingers in der Schwarzstraße mitten in ihrer Heimatstadt zu erwerben. Angefangen hatte sie, wie so viele andere auch, mit Porträtfotografie. Im Jahr 1922 wurde dann ihr Bruder, der Maler Anton Steinhart, Mitinhaber von „Photo Ellinger". Zwei Jahre zuvor war Max Reinhardt mit seinen Festspielen in Salzburg eingezogen und schuf damit für viele Einwohner eine neue Einnahmequelle.

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Oktober 2014

Anonym: Zwei Ochsenfuhrwerke der Firma Ad. Jg. Mautner und Sohn in der Friedrichstraße, Ecke Kärntner Straße, aus der Serie „Wiener Straßenleben“, Glanzkollodium, ungelaufen, um 1906/07, Privatsammlung

Das Wiener Straßenleben, verschaltet zur Serie

Vorliegende Postkarte zeigt zwei Ochsenfuhrwerke der Wiener Firma Ad. Jg. Mautner & Sohn, einer landesbefugten Spiritus- und Presshefefabrik, Bierbrauerei sowie Essig- und Likörfabrik. Unterwegs sind die zwei Fahrer auf der verkehrsreichen Friedrichstraße, rechter Hand mündet die Kärntner Straße ein. Als Titel firmiert – links unten eingedruckt – „Wiener Straßenleben“. Tut man sich nun etwas um, fragt in Museen und bei privaten Sammlern nach, entdeckt man, es existiert ein ganzes Bündel an Postkarten mit demselben Titel.

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