Dezember 2017

Unbekannter Fotograf: „Bayr. Landes-Industrie- Gewerbe- und Kunst-Ausstellung Nürnberg 1882“, Postkarte, farbige Lithografie, ungelaufen; Privatsammlung.

Herausstellung einer Ausstellung

Das 19. Jahrhundert verstand es, sich und seine Errungenschaften wirksam zur Darstellung zu bringen. Zu den bevorzugten Mitteln gehörte die Ausstellung, mit der sich ebenso Krönungsjubiläen feiern wie die Produkte der Industrie, des Gewerbes und der Kunst dem Publikum näherbringen ließen. Berichte und Anzeigen in der Presse sowie Plakate machten die Veranstaltungen bekannt. Fotografen wurden beauftragt, von den Ausstellungshallen und den Ständen der Teilnehmer Aufnahmen anzufertigen, die zunächst als Originalabzüge, später in gedruckter Form vervielfältigt wurden. Noch vor Ausstellungsbeginn kamen Fotografien von der Adaptierung des Geländes und vom Bau der Anlagen in Umlauf.

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November 2017

Marianne Strobl, Eigenverlag(?): Dampfschiff ‚Suppan‘ vor dem Landeplatz am Praterkai mit der Kaiser-Jubiläumskirche, 1921, ungelaufen, Silbergelatine; Photoinstitut Bonartes.

Industrie-Photograph[in]

Auf dem Begräbnis des nautischen Direktors der ‚Ersten Donau-Dampfschiffahrtsgesellschaft‘ (DDSG), Karl Viktor Suppan, 1921 wurde, wie in der Wiener Zeitung vom 31. Mai des Jahres nachzulesen ist, in einem „tiefgefühlten Nachruf“ vom Generaldirektor verlautbart, dass „als dauernde Ehrung des Dahingegangenen eines der Schiffe der DDSG den Namen ‚Suppan‘ tragen werde“. Noch im selben Jahr ging der Zugraddampfer ‚Suppan‘ in der Schiffswerft Óbuda in Budapest mit der Nummer 329 vom Stapel, um fortan Dienst als Zugmaschine auf der gesamten Donaustrecke zu versehen.

Dieser Dampfer bildet dann auch das Motiv der vorliegenden ungelaufenen Karte – gerade den Landeplatz der DDSG und die damals allgemein als Kaiser-Franz-Josef-Jubiläumskirche bekannte(eigentlich: Franz-von-Assisi-Kirche) stromaufwärts passierend.

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Oktober 2017

FotografIn unbekannt, Verlag Gerlach und Martin Gerlach, Wien: Frau mit Pferd, um 1905, gelaufen 1917, Silbergelatine koloriert; Privatsammlung

Die Reiterin

„Erinnerung sendet Jéža – Bitte schreiben Sie mitt [sic] ob es möglich ist am 27. d[es]. M[onats].“ In fein-säuberlicher Handschrift wurde diese kryptische Botschaft auf einer Postkarte niedergeschrieben, die am 17. Mai 1917 die kleine Stadt Nový Bydžov (heute in Tschechien) verließ, in Richtung Wiener Josefstadt. Der kurzen Nachricht selbst lassen sich nur einige wenige Informationen entnehmen. Das Wort ža bedeutet im Slowenischen etwa der Ritt oder das Reiten und ist wohl ein Kose- oder Deckname. Es bleibt unklar, ob AbsenderIn und Adressat sich jemals getroffen haben, aber was sonst könnte mit der „Erinnerung“ gemeint sein, die hier mitgeschickt wird?

 

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September 2017

Unbekannte/r Fotograf/en, Echt-Photo-Verlag Scheider: „Rotunde. Wien im Prater Wien. Brand der Rotunde. 17. IX. 1937“, Postkarte, Gelatine-Abzug, ungelaufen; Privatsammlung.

Eine Geschichte des Verschwindens

Die Rotunde war der Welt höchster Kuppelbau, als sie anlässlich der Wiener Weltausstellung 1873 im Gelände des Praters errichtet wurde. 32 in einem Kreis von 104 Metern Durchmesser angeordnete Stützpfeiler trugen die Dachkonstruktion, deren Spitze 85 Meter über dem Erdboden lag. Das Gebäude bildete die Mitte des Industriepalastes, der sich an zwei Seiten über insgesamt 900 m Länge und 200 m Breite erstreckte und eine Grundfläche von rund 70.000 m2 aufwies. Zwar war das mächtige Bauwerk nicht zu übersehen, doch wegen der Einbettung in die riesige Ausstellungshalle konnte sie von keinem Standort in ihrem vollen Ausmaß überschaut werden.

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August 2017

Leopold Reutlinger, Verlag S.I.P (Société Industrielle de Photographie), Paris: Domino-Spielstein, ab 1903, Silbergelatine, gelaufen am 24.4.1908 von Toulouse nach Carcassonne; Privatsammlung.

Blick dem Dominostein in die Augen!

Gesellschaftsspiele waren ab Anfang des 20. Jahrhunderts häufige Motive auf Postkarten. Im Gegensatz aber zu jenen wirklich als Spielmaterial verwendbaren Postkarten – hier divergierten die Karten je nach ihrer Verwendung als gedrucktes Spielbrett bei Spielen wie Mühle und ähnlichen oder als Spielobjekt selbst, indem gestanzte Dominosteine aus der Karte herausgelöst werden konnten, – war bei der vorliegenden Karte der Nutzen als Spielgerät eher nebensächlich. Zwar war Domino ein beliebtes Gesellschaftsspiel und wurde in der Wiener Variante des ‚Bukidomino‘ sogar als Glücksspiel mit Geldeinsätzen gespielt, bis es 1916 von offizieller Seite verboten wurde. In diesem Fall suchte aber der Fotograf wohl eher mit einer verspielten Variante die Porträts junger schöner Frauen unterzubringen, in Form von runden Bildern gleichsam den ‚Augen‘ der Dominosteine.

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Juli 2017

McDermid Photo Laboratories: „Bert Nelson wild steer riding“ (Calgary Stampede), um 1927, Silbergelatine, ungelaufen, Glenbow Archives, PA-3893-332.

Gefangen in der Bewegung

Am 7. Juli dieses Jahres ist es wieder soweit: die Calgary Stampede – mit für Nordamerika typischer Bescheidenheit als „The Greatest Outdoor Show on Earth“ bezeichnet – wird die Stadt Calgary im Westen Kanadas für zehn Tage in ein Cowboy-Paradies verwandeln. Das Ereignis wurde zunächst als Industrie- und Agrarmesse ab 1899 veranstaltet, um die Werbetrommel für die Stadt zu rühren und Bauern aus den umliegenden Provinzen nach Alberta zu locken. Bald war die Veranstaltung zu veritabler Größe angewachsen, wobei Rodeo, Pferderennen und das so genannte trick roping, bei dem Kälber mit einem Lasso möglichst schnell und kunstvoll eingefangen werden müssen, die Höhepunkte bildeten. Der Amerikaner Guy Weadick erkannte das Potential dieser Wettkämpfe, und im Jahr 1912 richtete er parallel zur Messe die erste Calgary Stampede als Reitsportturnier aus.

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Juni 2017

19. Ballonflug – Tag der Luftfahrt – [...] 27. April 1958“, Postkarte, gelaufen mit Ballonpost von Wien nach Selzthal, 27. bis 29. April 1958; Privatsammlung.

„Gott gebe nur, daß aus dem ganzen Fliegen etwas wird“

Im Zuge des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 war Paris von den deutschen Truppen umzingelt. Um Nachrichten aus der Stadt über die deutschen Linien ins unbesetzte Frankreich senden zu können, setzte man 67 unlenkbare Ballone und Brieftauben ein. Diese transportierten zwischen dem 23. September 1870 und dem 28. Januar 1871 2,5 Millionen Briefe und Postkarten. Nicht alle Ballone erreichten ihr Ziel, drei fielen den Deutschen in die Hände, zwei wurden Opfer der Fluten. In Tours wurden die Nachrichten gesammelt und von dort an die Empfänger weitergeleitet. Es war der Beginn der Ballonpost.

Auf diese Aktivitäten rekurrierte die Österreichische Postverwaltung nicht, als sie am 27. April 1958 den 19. BallonPostflug veranstaltete und dazu eine Ersttagskarte herausgab, sondern an ein Ereignis vor 150 Jahren. Erinnert wurde an einen Schweizer Uhrmacher, der 1792 in Wien eingebürgert worden war. „In seiner neuen Heimat konstruierte Jacob Degen einen Schlagflügelapparat in Verbindung mit einem Gasballon. Er flog damit am 15. November 1808 vom Prater nach Nußdorf und am 6. September 1810, vor Kaiser Franz I., vom Lustschloß Laxenburg nach Schönbrunn und zum k. k. Schloß Vösendorf.“

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Mai 2017

Anonym: „Simulant.“, Silbergelatine, nach 1904, ungelaufen, Privatsammlung.

Kopfloser Simulant

Während heutzutage eine Fotomontage wie jene auf dieser Postkarte mittels Photoshop eine leichte Übung darstellt, so waren derartige Eingriffe in ein Bild in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch eine aufwändige Angelegenheit. Damals trachteten Fotografen im Metier der Porträtfotografie nach zusätzlichen Vermarktungsmöglichkeiten, indem sie die schon alltäglich gewordenen Porträts um einen Spaßfaktor ergänzten und durch zum Teil schockierende Montagen beim Betrachter für einen Wow-Effekt sorgten. Die Ergebnisse der aufwändigen Bearbeitungen der Negative sollten außerdem den Beweis für die Kunstfertigkeit und die technischen Fähigkeiten des Fotografen erbringen. Das Schaffen von derartigen Illusionen traf genau den Geist der Zeit, in der sämtliche aus dem Surrealen und Geisterwelten entspringende Narrative großen Anklang in der Bevölkerung fanden, und somit waren kopflose Porträts in zahlreichen Ausführungen im Umlauf.

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April 2017

Anonym: „Friede!“, Verlag Albrecht und Meister AG (Amag), Berlin, Silbergelatine, gelaufen 22.9.1916; Privatsammlung

Friede!

„Die Bedeutung der Feldpost kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden“ (Stefan Zweig, Neues Wiener Journal, 5.1.1916). Der Erste Weltkrieg, die „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts, erschütterte die Gesellschaft in ihren Grundfesten, während die Feldpost und damit auch das Medium Postkarte florierten. In den Kriegsjahren wurden täglich mehrere Millionen Postsachen zwischen Front und zu Hause hin- und hergeschickt – zu einem großen Teil auf Staatskosten finanziert.

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März 2017

F. E. Brandt: „Salzkammergut. Alt-Aussee mit dem Dachstein 2996 m“, 1906, Postkarte, Photochromie; Privatsammlung

Ansichten vom Salzkammergut

Friedrich Ernst Brandt, 1860 in Laibach geboren, betätigt sich zunächst als Amateurfotograf, bevor er in den 1880er-Jahren als Leiter des Ateliers Gertinger in Wien arbeitet. 1883 wird er Mitglied der Photographischen Gesellschaft und zehn Jahre danach gründet er in Gmunden den Ansichtskartenverlag F. E. Brandt. Wenig später werden zudem ein Atelier und ein Fotogeschäft eröffnet. Der Betrieb wird von Brandt bis zu seinem Tod 1921 geleitet und anschließend bis in die 1960er Jahre unter demselben Namen von der Tochter weitergeführt.

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Februar 2017

Paul Bayer, Dresden: Moderne Galerie: Blauer Montag von I. Kaufmann, Seriennr. B 220, um 1900, Lichtdruck, ungelaufen, Privatsammlung.

Blauer Montag

Das Motiv der Karte zeigt eine Frau, die wohl ihren Mann zur (Wieder)aufnahme seiner Arbeit bewegen will. Dieser aber kann sich auf Grund seiner offensichtlichen Berauschung gerade einmal sitzend auf seinem Stuhl halten und denkt eher nicht daran, der Aufforderung Folge zu leisten. Nicht nur eine genauere Betrachtung der Räumlichkeiten erlaubt den Schluss, dass es sich bei dem Mann um einen Schuster handelt. Die Postkarte wurde vom Postkartenverlag Paul Bayer in Dresden als Reproduktion des Ölgemäldes „Der Schuhmacher“ von Isidor Kaufmann – einem bekannten Schöpfer von Genrebildern mit sozialen Themen und Darstellungen aus dem jüdischen Volksleben –  in Form eines Lichtdrucks aufgelegt und innerhalb der Serie „Moderne Galerie“ unter dem Titel „Blauer Montag“ vertrieben.

 

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Januar 2017

Horst von Harbou, Nibelungen I, Siegfrieds Tod, Uvatypie, ungelaufen, Österreichisches Filmmuseum, Wien

Ein bunter Heldentod

Fritz Lang begann 1922 die Dreharbeiten zu „Die Nibelungen“, einem zweiteiligen Epos, das zwei Jahre später veröffentlicht werden sollte. Der erste Teil „Siegfried“ wurde wenige Monate vor der Fortsetzung „Kriemhilds Rache“ 1924 in Berlin uraufgeführt. Damals waren Standfotos oder Film-Stills die bevorzugte Form der Werbung für Filme und daher kann man annehmen, dass jenes Motiv des sterbenden Siegfried aus einer 12-teiligen Serie (Nr. 405) auch diesem Zweck diente.

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Dezember 2016

d’Ora, Fritzi Massary, Postkarte, Silbergelatine, gelaufen: 13. März 1924 von Wien nach Barnstorf bei Bremen, Preus museum, Horten (Norwegen).

Sammlerherz

Im Frühling 1924 kontaktierte ein gewisser Willem Grütter das Fotoatelier d’Ora in Wien. Seine Anfrage beantwortete offensichtlich die Inhaberin selbst, die renommierte Gesellschaftsfotografin Dora Kallmus, genannt Madame d’Ora. Grütter schien sich nach dem Erwerb von Fotografien Prominenter – wie zum Beispiel des Opernsängers Alfred Piccaver, dem österreichischen Operettenstar Louise Kartousch oder der Sängerin Fritzi Massary – erkundigt zu haben. D’Ora schrieb ihm eine Fotopostkarte zurück, auf der die Massary, lasziv blickend und von üppigem Federschmuck flankiert, Werbung für das Studio in der Wipplingerstraße 24 machte, dessen Spezialität eben jene glamourösen Porträts waren.

 

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November 2016

Anonym, Verlag Philipp Rubel, Wien: „Der Bombenwerfer Čabrinović“, Sarajewo, Juni 1914, maschineller Originalabzug, Silbergelatine, ungelaufen; Privat-sammlung

Wechselvolle Geschichte/n

1971 wurde das Motiv dieser Postkarte in der Nummer 3 der deutschen Monatsschrift Foto und Film-Prisma mit folgender Legende vorgestellt: „Philipp Rubel: Gefangennahme von Gavrilo Princip nach dem Attentat auf Erzherzog Franz Ferdinand, Sarajewo, 28. Juni 1914“. In seiner Geschichte der Photographie von 1983 veröffentlichte der bekannte amerikanische Fotohistoriker Helmut Gernsheim das Bild mit nahezu gleichlautender Unterschrift: „Philipp Rubel: Die Festnahme von Gavrilo Princip nach dem Attentat auf Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajewo am 28. Juni 1914“.

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Oktober 2016

R. Rivière, "Catastrophe des Ponts-de-Cé, 4 août 1907, Une heure après l’accident". Lichtdruck, 1907, gelaufen von Angers nach Ponts-de Cé am 13. August 1907, Privatsammlung.

"Une heure après l’accident" – Bildliche Tagesberichterstattung auf Postkarten

An einem sommerlichen Sonntag, dem 4. August 1907, fanden sich zahlreiche Einwohner von Angers und Umgebung am Bahnhof Saint-Laud ein, um den Zug zu besteigen, der sie – so dachten sie jedenfalls – an die Ufer der Loire bringen würde, um dort im Beisein ihrer Familien einen Tag der Entspannung und Erholung zu verbringen. Doch die Reise wurde unvermittelt und dramatisch durch den Einsturz der Brücke über die Loire bei Ponts-de-Cé beendet. Gerade als sich der Zug zwischen Widerlager und erstem Pfeiler befand, gab die Fahrbahnplatte mit samt den Gleisen unter seiner Last nach und brach durch, so dass die Lokomotive und die ersten vier Waggons in den Fluss stürzten.

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September 2016

Edition J. Bouveret in Le Mans : Rêves Rosés, um 1915, Chromolithografie, ungelaufen, Sammlung Mila Moschik

Rêves Rosés

Diese Karikatur stellt einen Traum Kaiser Wilhelms II. dar. Es ist eine französische Antipropaganda-Karte aus dem Ersten Weltkrieg, die in der Edition J. Bouveret in Le Mans um 1915 erschien. Die Erklärung zum Bild „Rêves Rosés – vingt millards... Algérie… Tunisie... Maroc... Entrée à Paris... Flotte britannique anéantie... Debarquement en Angleterre... Russie demande grâce... Le monde est à moi... Etc.“ wird unten eingeblendet. Der deutsche Kaiser hat rosige Träume von der Eroberung Algeriens, Tunesiens, Marokkos und Frankreichs, der Zerstörung der englischen Flotte, einem Russland, das um Gnade bittet – kurzum von einer Welt, die ihm gehört.

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August 2016

Bavaria Filmkunst, Film Foto Verlag, „Harald Kreutzberg“, 1943, Silbergelatine, ungelaufen, Privatsammlung

Ein Schelm, der Böses dabei denkt

Harald Kreutzberg ist einer der bekanntesten, wenn nicht der bekannteste deutsche Tänzer. Von Max Reinhardt 1926 für die Salzburger Festspiele entdeckt, wurde er innerhalb kürzester Zeit zum Publikumsliebling, erkennbar an dem stets kahlgeschorenen Kopf, aber vor allem dem unverwechselbaren, expressiven Tanzstil und seinen „sprechenden Händen“. Seine Spezialität waren dunkle, abgründige Charaktere und Darstellungen psychischer Ausnahmezustände.

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Juli 2016

Carl Otto Hayd, München: Briefmarkensatz der Österreichischen Post 1901/02, 9 x 13,8 cm, Chromolithografie, Prägekarte, gelaufen 1903? von Wien nach Wien; Privatsammlung

Ein Satz Briefmarken

Ansichtskarten mit Darstellungen von Briefmarken werden in der einschlägigen Sammlerliteratur als bildliche Kommentare zur Postgeschichte verstanden. Jene Exemplare, auf denen vollständige Sätze wiedergegeben sind, verweisen zudem auf ein konstitutives Element des Sammelns, das nach Komplettierung der Kollektion strebt. Ob bestimmte Motive, Sonderausgaben, Fehl- oder Probedrucke, Fälschungen, Neu- oder Nachdrucke der Postverwaltung eines Landes gesucht werden – nur selten wird man sämtliche je erschienenen Stücke finden können.

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Juni 2016

Gustav A. Stosius, um 1910, Silbergelatineabzug, gelaufen von Prag nach Laa a. d. Thaya, Poststempel 1.9.1911, Privatsammlung.

Geldtag beim Oberlehrer

Für diese Aufnahme öffnete sich dem Fotografen –  wahrscheinlich auf seine Anweisung hin, denn alle Blicke sind gebannt auf ihn gerichtet  – ein Spalier, und eine bunt zusammengewürfelte  Menschenmenge gab den Blick  auf den Grund für die vielen Schaulustigen frei, die sich  an jenem Tag auf einem Feld versammelt hatten: ein Doppeldecker-Flugzeug. Die Fotografie dieser Postkarte, ein Originalabzug in Silbergelatine, stammt von Gustav Adolf Stosius.

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Mai 2016

Unbekannt, Privataufnahme, April 1919, Silbergelatineabzug, gelaufen von Brünn nach Wien, Poststempel 12.4.1919, Privatsammlung

Ein mysteriöser Mann

Inmitten einer heiter wirkenden Menge steht wahrscheinlich Ery van Brée-Andrussen, breitbeinig und selbstbewusst, ein Mann vieler Talente. Als „genialster Telepath der Gegenwart“ tingelte Andrussen mit seinem Programm durch ganz Österreich und zahlreiche weitere Länder in Europa. Etwa 2.000 Vorstellungen soll er nach eigenen Angaben bis 1928 gegeben haben.

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April 2016

Ohne Verlagsangaben: „Wiener Internationale Messe“, 13,9 x 9 cm, maschineller Originalabzug, Silbergelatine, Sonderstempel 6. X. 1946; Privatsammlung

Wiener Messe 1946

1946 begann das österreichische Parlament mit der Verstaatlichung von 70 Industriebetrieben, Banken und Elektrizitätsunternehmen, um den alliierten Besatzern keinen Zugriff zu ermöglichen. Zugleich wurden Investitionen getätigt, um die Handelsbeziehungen mit dem Ausland in Gang zu setzen. Dazu zählte auch die Durchführung von Messen, darunter die erste internationale Veranstaltung ihrer Art im Jahr 1946. An dieser „Friedensmesse“, wie sie auch tituliert wurde, beteiligten sich Aussteller aus den USA, Großbritannien und Frankreich sowie aus weiteren sieben europäischen Staaten.

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März 2016

Herold, H. „Meergeist der Nordsee.“ Original-Aufnahme während der Sturmflut vom 9. September 1924. Das Bild zeigt den Kopf eines Meergeistes im Profil. 1924, Raster-Kupfertiefdruck, ungelaufen; Photoinstitut Bonartes.

Ein böses Omen - "Meergeist der Nordsee"

Eine Strandpromenade ist eingehüllt in die Gischt von aufprallenden Brandungswellen während eines heftigen Sturms. Die Adress-Seite klärt uns auf: Es handle sich hier um eine „Original-Aufnahme während der Sturmflut vom 9. September 1924“. Und weiter: „Das Bild zeigt den Kopf eines Meergeistes im Profil.“ „Meergeist der Nordsee“ ist auch der Titel der Aufnahme vom Fotograf H. Herold, der in der Friedrichsstraße in Westerland ein Fotohaus sowie einen Postkartenverlag betrieb und sonst vorrangig Prominente in der Touristendestination auf Sylt fotografierte.

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Februar 2016

Anna Koppitz, „Bauernmädel aus der Reichsschule des Reichsnährstandes Burg Neuhaus“,Verlag F. Bruckmann: München 1940, Nr. 16 der Serie, Bromsilbergelatine, ungelaufen, Archiv Freundeskreis Burg Neuhaus

Blutige Idylle

Ein Mädchen sitzt in einer Wiese und rupft einem Blümchen die Blütenblätter aus. Sie ist fröhlich lächelnd beim letzten angelangt – denkt sie an einen hübschen Jungen, in den sie sich verliebt hat? Ihr strohblondes Haar ist zu einem Zopf gebunden, und einige Strähnen haben sich daraus gelöst. Der Ausdruck auf ihrem ungeschminkten Gesicht wirkt natürlich, und ihr Dirndl sieht bequem aus, gibt dem Bild eine volkstümliche, zeitlose Note. Es ist eine idyllische Szene, doch der Schein trügt. Das Foto entstand 1939 in Deutschland, und das Modell wurde zur Ausbildung einer Elite-Bauernjugend ausgewählt.

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Januar 2016

GL Co. [Gustav Liersch u. Co., Berlin]: „Mode 1909!!!“, Nr. 12 der Serie 2158, 13,3 x 8,5 cm, maschineller Originalabzug, Silbergelatine, gelaufen am 6. Mai 1909 von Wien nach Wien; Privatsammlung

Mode 1909

Was hat den Berliner Verlag Gustav Liersch & Co. dazu bewegt, eine Serie von illustrierten Postkarten mit dem Titel „Mode 1909!!!“ zu veröffentlichen? Ausnahmslos handelt es sich um sogenannte Brustporträts, für die immer dasselbe Modell in unterschiedlicher Kleidung und Haltung posiert hat. Die junge Frau hat jeweils das Kleid beziehungsweise die Bluse gewechselt und einen anderen Hut aufgesetzt;

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Dezember 2015

Unbekannter Fotograf, „La pantalon du Géant HUGO. HUGO offre 1.000 francs à son rival.“ nach 1904, 13,8 x 9,2 cm, Lichtdruck, gelaufen nach 1907 von Reignac, Gironde nach Pont d'Ouilly, Calvados, Frankreich, Privatsammlung.

Ein „Riesen-Autogramm“? – „Géant Hugo offre 1000 francs à son rival“

1000 Francs Belohnung werden laut gedrucktem Text auf der Bildseite demjenigen geboten, der im Stande war, die zu seiner Zeit angeblich unerreichten Körpermaße des „Riesen“ Baptiste Hugo, geboren 1879 in den italienischen Alpen, zu übertreffen. Und diese waren in der Tat beeindruckend – den biografischen Angaben auf der Karte nach maß er mit 25 Jahren 230 Zentimeter, wog 430 Pfund, hatte Schuhgröße 61 und konnte ohne Probleme eine 5 Francs-Münze mit seinem Daumen überdecken.

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November 2015

Richard Klein, Verlag Heinrich Hoffmann, beide München: „13. März 1938 Ein Volk ein Reich ein Führer“, 1938, 14,7 x 10,5 cm, farbiger Kombinationsdruck, ungelaufen; Privatsammlung

Das Spektakel einer Abstimmung

Zwei bekannte Figuren stehen für die gestalterische und verlegerische Seite der vorliegenden Postkarte. Der Entwurf der Karte stammt von Richard Klein (1890–1967), einem Münchner Maler, Grafiker und Medailleur, der bereits im Ersten Weltkrieg Postkarten mit patriotischen Motiven angefertigt hatte. Seit 1935 fungierte er als Direktor der Staatsschule für angewandte Kunst in München, nach der Erhebung zur Hochschule zudem als Professor. Schon ab 1933 hatte er Embleme und Orden entworfen, und im April 1937 erfolgte die Herausgabe einer Briefmarke mit dem Porträt Hitlers. 

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Oktober 2015

Strelisky Budapest, Kosáry Emma (Csárdáskirályné), Silbergelatine, 1916, Rotophot-Verlag, Budapest, ungelaufen

Die Kleider der Csárdásfürstin

Als der ungarische Komponist Emmerich Kálmán 1914 an einem neuen Stück zu arbeiten begann, konnte er noch nicht wissen, dass es unter anderem aus politischen Gründen bald großen Erfolg haben sollte. Er tüftelte an einer Operette mit einer heißblütigen, rumänischen Sängerin in der Hauptrolle, die einem hohen Adligen den Kopf verdreht. Der Ausbruch des Kriegs führte aber erst einmal zu einer Schaffenspause. Kálmán soll dazu gesagt haben, dass er keine Liebe für Musik aufbringen könne, wenn sich die Welt an den Fronten gegenseitig umbringt.

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September 2015

Unbekannter Autor, [Verlags-Signet unbekannt], Gruß aus Hamburg, Silbergelatine in goldfarbenem Prägerahmen auf rotem Postkartenkarton mit Goldschnitt und Prägelettern, um 1900, gelaufen 16.4.1901 von Hamburg nach Altenburg, Privatsammlung.

Ein Gruß luxuriöser Prägung

Bei einem ersten Blick auf die Bildseite der Karte beeindruckt ihre aufwendige Gestaltung. Die Postkarte ist aus rot durchgefärbtem Papier gefertigt und mit goldfarbenen Prägerahmen und -lettern, sowie mit Goldschnitt versehen. In den Rahmen ist ein Originalabzug auf Silbergelatine montiert. Das prunkvolle Design dieser damals sicherlich kostspieligen Karte ist angelehnt an die Machart von Jubiläumskarten und Andenkenbildchen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, deren Veredelung durch die Hochblüte der Luxuspapierindustrie vorangetrieben wurde.

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August 2015

Unbekannter Autor, Verlag Éditions de Lorraine: „François-Joseph“, Nr. 2 aus der Serie „Les monstres des cathédrales“, 2015, Lichtdruck, ungelaufen, Privatsammlung

Krieg der Postkarten

Fotomontagen und -collagen erlauben, Beziehungen zwischen Personen und/oder Dingen herzustellen, die in der Realität nichts miteinander zu tun haben. Doch nicht nur die Räume können in solchen Konstrukten aufgehoben sein, sondern auch die Zeiten spielen keine Rolle. In der Frühzeit der fotografisch illustrierten Postkarte erhoben sich gelegentlich Autos mit einmontierten Passagieren in den Himmel, um über architektonischen Sehenswürdigkeiten zu schweben. Mit solchen Ansichten meldeten sich Touristen bei den Daheimgebliebenen, um zu zeigen, wohin sie ihre Reise geführt hatte.

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Juli 2015

Anonym, Privataufnahme, Silbergelatineabzug, um 1904, gelaufen von Wien über Puchberg am Schneeberg bis nach Meran, Poststempel 31.10.1904, Privatsammlung

Eine Frage von Leben oder Tod

„Sein oder nicht Sein, das ist die Frage“, seufzte der junge Mediziner Wilhelm Neumann tiefsinnig … Während Hamlet mit dem berühmten Satz über sein eigenes Ableben sinniert hatte, bezog sich jener wohl eher auf ein flächendeckenderes und vor allem drängendes Problem seiner Zeit: die Tuberkulose. Die beiden jungen Männer, die für die fotografisch illustrierte Postkarte vor aufgeschlagenen Büchern und Mikroskop Modell saßen, sind aller Wahrscheinlichkeit nach Neumann selbst und sein Kollege Hermann Wittgenstein, Cousin des berühmten Philosophen Ludwig (der zu diesem Zeitpunkt noch die Schulbank drückte).

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