Februar 2013

„Unser Hausmeister“, Verlag Otto Schmidt, Wien, aus der Serie „Wiener Typen“, Aufnahme 1873/78, Karte um 1899, getönter Lichtdruck, Poststempel 7.4.1899, gelaufen von Wien nach Krems. Privatsammlung

„Unser Hausmeister“, Verlag Otto Schmidt, Wien, aus der Serie „Wiener Typen“, Aufnahme 1873/78, Karte um 1899, getönter Lichtdruck, Poststempel 7.4.1899, gelaufen von Wien nach Krems. Privatsammlung

Der „Herr“ des Hauses

Der Wiener Hausmeister ist eine Erscheinung der zunehmenden Industrialisierung am Anfang des 19. Jahrhunderts. Die in der Metropole entstehenden Fabriken und Betriebe benötigten Arbeitskräfte, die von außerhalb zuzogen und auf billigen Wohnraum angewiesen waren. Die Eigentümer der in den Vororten errichteten „Zinskasernen“, wie sie später genannt worden sind, beschäftigten eine Person, die für die Ordnung und das Reinhalten zuständig war. Vor allem in den Arbeiterbezirken führte der Hausmeister oftmals ein strenges Regiment. Zudem war ihm, der als einziger über einen Hausschlüssel verfügte, für das Aufschließen des Haustors nach der Sperrstunde ein sogenanntes Sperrgeld zu entrichten.

Wegen des autoritären Verhaltens fand der Hausmeister bald Eingang in Stücke des Volkstheaters, wo er zumeist als resoluter Zeitgenosse auftritt. Als solcher hat man ihn auch fotografisch inszeniert, wenn er in der einen Hand den Besen, in der anderen einen Schlüsselbund hält und mit seiner massigen Statur den Weg „versperrt“. Mit der Haltung und den Insignien des Berufes beansprucht er den Innenhof den Hauses als sein Revier. Der Fotograf Otto Schmidt reihte ihn mit dieser Aufnahme unter die „Wiener Typen“, die ab 1873 als Serie mit Originalabzügen herausgegeben wurde. Angesprochen werden sollten die Besucher der Weltausstellung in Wien und andere Touristen in der Stadt, die sich solche Bilder gerne als Souvenir mit nach Hause nahmen.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verstärkte sich die Diskussion um die Rechte des Hausmeisters, wobei nicht zuletzt eine Abschaffung des Sperrgeldes verlangt wurde. Otto Schmidt reagierte auf die aktuelle Situation und veröffentlichte die Aufnahme ein weiteres Mal. Diesmal wurde jedoch als Bildträger die Postkarte gewählt, deren gedruckte Illustration größere Auflagen und einen niedrigeren Preis ermöglichte, was die Absatzchancen entsprechend erhöhte. Die grimmige Miene des Modells nahm die Absenderin der vorliegenden Karte gelassen, wenn sie schrieb: „“Ich hoffe mein Bote gefällt Ihnen! Er bringt Ihnen meine herzlichsten Grüße [...]“

(TS)

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