Oktober 2013

Bradna, Wien: „Gruß aus Waidhofen a./d. Thaya“, Correspondenz-Karte mit vier Abbildungen, Lichtdruck, gelaufen 1902 von Waidhofen a.d. Thaya nach Steinhaus am Semmering, Poststempel 3.9.1902, Privatsammlung

Bradna, Wien: „Gruß aus Waidhofen a./d. Thaya“, Correspondenz-Karte mit vier Abbildungen, Lichtdruck, gelaufen 1902 von Waidhofen a.d. Thaya nach Steinhaus am Semmering, Poststempel 3.9.1902, Privatsammlung

„Gruß u. Kuß“ aus Waidhofen an der Thaya

Nachdem ab Mitte der 1890er Jahre zunehmend die Fotografie zur Illustrierung von Postkarten eingesetzt wurde, etablierte sich bald ein neues ambulantes Gewerbe. Zu den Beweggründen gehörte unter anderem der Rückgang des Porträtgeschäfts, zumal die knipsenden Amateure eine erhebliche Konkurrenz darstellten. Zunächst waren es die Inhaber kleiner städtischer Ateliers, die während der Sommermonate über Land fuhren und ihre Dienste anboten; später waren es spezialisierte Unternehmen, die mehrere Lichtbildner für sich arbeiten ließen. Aufgesucht wurden Dörfer und kleinere Städte, in denen Touristen Station machten, um zu übernachten, eine Mahlzeit einzunehmen oder die Verpflegung zu ergänzen.

 

Demnach kamen für die Reisefotografen in erster Linie Hotels und Gasthöfe sowie Lebensmittelgeschäfte als Kunden infrage. Diesen wurde angeboten, Aufnahmen des Betriebes und der einen oder anderen lokalen Sehenswürdigkeit anzufertigen und eine Auswahl von meist zwei bis vier Bildern auf einer Postkarte zu platzieren sowie die Bildseite gegebenenfalls um eine grafische Ausschmückung zu ergänzen. Die Herstellung der Karten wurde einer Druckanstalt übertragen.

 

Das vorliegende Exemplar zeigt eine Teilansicht von „Waidhofen a.d. Thaya“, einer Stadt im Waldviertel mit in jenen Jahren etwas über 4.000 Einwohnern. Zudem sind das im Zentrum gelegene „Hotel zum gold. Löwen“ und der „Restaurations Garten“ zu sehen. Ungewöhnlich an dieser Postkarte ist, dass der Hotelinhaber mit einem Porträt auf der Karte präsent ist. Eine solche Ergänzung der topografischen Motive gehörte zu den Spezialitäten von Franz Bradna, der sich im sechsten Wiener Gemeindebezirk als Fotograf niedergelassen hatte. Sein Aktionsradius führte ihn unter anderem nach Ried im Innkreis, wo er auf der Postkarte für ein Hotel neben Außen- und Innenansichten gleichfalls ein Porträt des Eigners unterbrachte.

 

Die Bedeutung der Reisefotografie liegt darin, dass sie eine Unmenge an bildlichem Material hervorbrachte, insbesondere von Gegenden und Ortschaften samt der Architektur und der Ausstattung von Lokalen und Geschäften, welche gewöhnlich nicht das Interesse von Lichtbildnern geweckt haben. Dies sind zumeist die einzigen bildlichen Zeugnisse, wie es bis zu den 1930er Jahren in manchen ländlichen Gegenden ausgesehen hat. Überdies lässt sich das touristische Interesse zu wechselnden Zeiten verfolgen und in den Mitteilungen die kommunikative Praxis der Zeit ablesen, also beispielsweise mit welchen sprachlichen Mitteln sich jemand von einer Reise oder aus dem Urlaub gemeldet hat.

 

(TS)

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