Januar 2015

"Anna Benesch, Cannes 1928“, Silbergelatineabzug (auf Papier von R. Guilleminot Bœspflug et Cie, Paris), ungelaufen; Privatsammlung

"Anna Benesch, Cannes 1928“, Silbergelatineabzug (auf Papier von R. Guilleminot Bœspflug et Cie, Paris), ungelaufen; Privatsammlung

Gut behütet ins neue Jahr

Die Promenade de la Croisette entlang zu spazieren, bedeutete ein Muss für die schicke Dame von Welt, lange bevor es die Filmfestspiele in Cannes gab. Schon im 19. Jahrhundert war die kleine Stadt an der Côte d’Azur ein beliebtes Reiseziel der Aristokratie, der Reichen und Berühmten – man verbrachte gern den Winter dort. 1928, zum Zeitpunkt der Aufnahme, waren das feudale Carlton und zahlreiche weitere Luxushotels nach dem Krieg dabei, ihren alten Ruhm wiederzuerlangen.

Wer sich also zum Flanieren auf die „Croisette“ begab, kleidete sich natürlich nach neuester Mode, am besten mit einem kleinen Pekinesen-Hund als passendem Accessoire und einem Hut nach modernster Fasson. Anna Benesch, die Dame auf dem Bild, die sich hier von einem Straßenfotografen ablichten ließ, hatte ihre Kopfbedeckung bei „Suzanne Modes“ in Wien anfertigen lassen. Sie schrieb an die Modistin Anne Berg, die dort angestellt war und bedankte sich bei ihr für den Hut: „À Mademoiselle Anni – die mir dieses schöne Beret gemacht hat. Prosit Neujahr!“. Vielleicht war die ungelaufene Karte Beilage für eine Bonbonniere zum Neuen Jahr?

Sie stammt aus dem Nachlass Bergs, deren Kundinnen ihr immer wieder Fotos zukommen ließen, auf denen die Kreationen sozusagen im Einsatz zu sehen waren. Dass noch eine zweite Kundin sich auf der Croisette fotografieren ließ, bestätigt einmal mehr die große Popularität des Urlaubsortes. In diesem Fall wurde rückseitig auch noch ein Auftrag für neue Hüte gegeben, die schnellst möglich den Urlaubsort erreichen sollten. Der Karte waren Stoffmuster beigelegt, damit man auch fernab der Heimat stets auf das Kostüm abgestimmt „à la mode“ gekleidet war. Die unterschiedliche Aufmachung der beiden Karten lässt darauf schließen, dass mehr als ein Fotograf unterwegs war und vom Glamour Cannes‘ und der Eitelkeit der Touristinnen profitierte.

Magdalena Vukovic

 

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