August 2013

Th. u. O. Hofmeister, Verlag Hermann A. Wiechmann, München: „Heimat“, aus der Serie: „Aus unserer Heimat“, „Sammlung 10. Am Rhein. II. Folge“, Tiefdruck, gelaufen von Breslau über Wiesbaden nach Frankfurt a. Main, Poststempel 14.3.1923, Privatsammlung

Th. u. O. Hofmeister, Verlag Hermann A. Wiechmann, München: „Heimat“, aus der Serie: „Aus unserer Heimat“, „Sammlung 10. Am Rhein. II. Folge“, Tiefdruck, gelaufen von Breslau über Wiesbaden nach Frankfurt a. Main, Poststempel 14.3.1923, Privatsammlung

Heimatliche Paradiese

Ein mit Steinen gepflasterter Weg führt abwärts ins Dorf. Durch Baumstämme und Laub fällt der Blick auf die ersten Häuser. Die idyllische Inszenierung und die grüntonige Reproduktion künden von Natur und Abgeschiedenheit. Man befindet sich abseits vom Lärm der Städte, dem Grau der Wohnhäuser und Fabriken, der Hektik des Alltags.

 

Die Aufnahme entspricht ganz dem Geist des beginnenden 20. Jahrhunderts. Die umfassende Industrialisierung und das rasche Wachstum der urbanen Lebensräume haben bei manchen Teilen des Bürgertums Zweifel an den Errungenschaften der modernen Zivilisation aufkommen lassen. Wann immer möglich, kehrte man der Stadt den Rücken, fuhr am Wochenende aufs Land und im Urlaub in die Sommerfrische. Erholung suchte man vornehmlich in einer dörflichen Umgebung, bei Wanderungen im Wald und in den Bergen, beim Aufenthalt an einem See. In der sich in jenen Jahren bildenden Heimatschutzbewegung und in einschlägigen Vereinen traf sich eine großstadtfeindliche Einstellung mit naturromantischen Vorstellungen.

 

Die Jünger der gegen Ende des 19. Jahrhunderts aufkommenden kunstfotografischen Bewegung schufen jene Bildwelt, die diesen antimodernistischen Tendenzen entgegenkam. Mit ihren Motiven, die sie mit Vorliebe in der unberührten Natur fanden und die sie zumeist in unscharfen Wiedergaben zur Ansicht brachten, entwarfen sie ein bildliches Arkadien. Die Hamburger Amateurfotografen Theodor und Oscar Hofmeister zählten zu den prominentesten Vertretern dieser piktorialistischen Fotografengilde, die ihre großformatigen Arbeiten auf Ausstellungen vorführten und in den Publikationen der exklusiven Fotoklubs veröffentlichten.

 

Den Weg auf Postkarten fanden die Werke der sich elitär gebärdenden Lichtbildner in der Regel nicht. Das kleine Format erschien ihnen ebenso unpassend, wie sie an einer massenweisen Verbreitung nicht besonders interessiert waren. Weil aber der Verlag Hermann A. Wiechmann nach dem Ersten Weltkrieg mehrere Bücher der Reihe „Aus der Heimat“ mit Aufnahmen der Brüder Hofmeister veröffentlicht hatte und entsprechende Klischees bereits vorlagen, ließ er Karten drucken, um für die Buchreihe zu werben.

 

(TS)

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