April 2016

Ohne Verlagsangaben: „Wiener Internationale Messe“, 13,9 x 9 cm, maschineller Originalabzug, Silbergelatine, Sonderstempel 6. X. 1946; Privatsammlung

Ohne Verlagsangaben: „Wiener Internationale Messe“, 13,9 x 9 cm, maschineller Originalabzug, Silbergelatine, Sonderstempel 6. X. 1946; Privatsammlung

Wiener Messe 1946

1946 begann das österreichische Parlament mit der Verstaatlichung von 70 Industriebetrieben, Banken und Elektrizitätsunternehmen, um den alliierten Besatzern keinen Zugriff zu ermöglichen. Zugleich wurden Investitionen getätigt, um die Handelsbeziehungen mit dem Ausland in Gang zu setzen. Dazu zählte auch die Durchführung von Messen, darunter die erste internationale Veranstaltung ihrer Art im Jahr 1946. An dieser „Friedensmesse“, wie sie auch tituliert wurde, beteiligten sich Aussteller aus den USA, Großbritannien und Frankreich sowie aus weiteren sieben europäischen Staaten. Zu diesem Zweck wurden die im Krieg stark beschädigten Gebäude und Ausstellungsareale, der Messepalast (heute Museumsquartier) und die Anlagen auf dem Rotundengelände im Wiener Prater, teilweise wiederhergestellt.

Die Karte mit den Ansichten der Ausstellungsgebäude und dem Inneren von drei Hallen ist vermutlich von der Wiener Messe Aktiengesellschaft herausgegeben worden. Je nach Ort der Erwerbung, nannte der Sonderstempel das betreffende Gebäude: „Messepalast“ oder „Rotundengelände“ und die Dauer der Schaustellung vom 6. bis 13. Oktober 1946. Frankiert mit einem Wertzeichen von sechs Groschen (6 g) konnte die Karte an jeden beliebigen Ort innerhalb Österreichs verschickt werden.

Drei Wochen vor Eröffnung der „Ersten Internationalen Wiener Messe“ erließ der Wiener Bürgermeister Theodor Körner am 19. September 1946 einen Aufruf an die Bevölkerung. Er dankte den „Hunderten Arbeitern und Arbeiterinnen“ für ihren “aufopfernden“ Beitrag zu den Wiederaufbaumaßnahmen. „Dieses große Opfer und diese lobenswerte Leistung unserer Bauarbeiter verliert ihren Sinn, wenn wir die Fremden, die zur Messe kommen nicht in Wien beherbergen können.“ Nachdem aber die Hotels der Stadt und die gemeldeten Privatquartiere zu wenige Kapazitäten aufwiesen, um die zu erwartenden Gäste unterzubringen, erging die Bitte an „alle Wiener Haushalte, die in dieser Woche eine saubere Schlafstelle frei haben oder durch einige Einschränkungen in der Familie ausnahmsweise freimachen können, sie gegen Entgelt zur Unterbringung von Messegästen zur Verfügung zu stellen. Das Wohnungsamt der Stadt Wien wird aus einem solchen Entgegenkommen keine Schlüsse ziehen. [...] Für die Überlassung eines Wohnraumes wird ein Entgelt von 10 Schilling aufwärts pro Nacht bezahlt.“

(Timm Starl)

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