März 2017

F. E. Brandt: „Salzkammergut. Alt-Aussee mit dem Dachstein 2996 m“, 1906, Postkarte, Photochromie; Privatsammlung

F. E. Brandt: „Salzkammergut. Alt-Aussee mit dem Dachstein 2996 m“, 1906, Postkarte, Photochromie; Privatsammlung

Ansichten vom Salzkammergut

Friedrich Ernst Brandt, 1860 in Laibach geboren, betätigt sich zunächst als Amateurfotograf, bevor er in den 1880er-Jahren als Leiter des Ateliers Gertinger in Wien arbeitet. 1883 wird er Mitglied der Photographischen Gesellschaft und zehn Jahre danach gründet er in Gmunden den Ansichtskartenverlag F. E. Brandt. Wenig später werden zudem ein Atelier und ein Fotogeschäft eröffnet. Der Betrieb wird von Brandt bis zu seinem Tod 1921 geleitet und anschließend bis in die 1960er Jahre unter demselben Namen von der Tochter weitergeführt. Er zählt zu den größten Produzenten von illustrierten Postkarten in der österreichischen Monarchie, und 1908 werden bereits 800 unterschiedliche Motive angeboten.

Schwerpunkt der verlegerischen Aktivitäten ist die Herstellung fotografischer Ansichten von Orten im Salzkammergut, die sukzessive auf die angrenzenden Regionen ausgedehnt werden. Die Verfasser der Aufnahmen sind auf den Karten in der Regel nicht angegeben, lediglich in den ersten Jahren bis um die Jahrhundertwende ist der in Gmunden ansässige Vinzenz H. Haslacher für Brandt tätig, im Jahr 1899 wird zudem der im selben Ort beheimatete Fotograf Johann Hackler genannt. Dass zahlreiche, wenn nicht die meisten Aufnahmen von Brandt stammen, ist anzunehmen, zumal er auch außerhalb seines eigenen Verlages fotografiert hat. So wirkte er als Lichtbildner unter anderem 1899 für den Welser Kollegen Franz Windischbauer und 1910 für den Verlag von Josef Engelhart in Mondsee; in den Jahren 1911 bis 1915 schuf er Aufnahmen von Lambach für die dort ansässige Papierhandlung von Jos. Palme.

Bis zum Ersten Weltkrieg werden die Aufnahmen farbig als Photolithographien oder als monochrome Lichtdrucke – schwarzweiß oder getönt – reproduziert, dazwischen und im folgenden Jahrzehnt finden sich gelegentlich Tiefdrucke. Ab den 1920er Jahren bis in die 60er Jahre werden überwiegend originale Abzüge vom Negativ aufgelegt, die braun getönt sind oder auf chamois-farbenem Fotokarton wiedergegeben werden. Einzelfälle bleiben Postkarten mit Arrangements wie die „Elektrische Bahn Gmunden Vorchdorf“ aus der Zeit um 1914 mit 10 Ansichten und eine „Luft-Aufnahme der Österreichischen Fliegerschule Salzburg“, die 1930 verschickt wurde sowie eine Trachtenserie in farbigen Drucken, die im Zweiten Weltkrieg auf den Markt gebracht wird.

Ab 1901 sind die allermeisten Postkarten, die von F. E. Brandt herausgegeben werden, mit der Jahreszahl ihres Erscheinens ausgezeichnet. Mit der gleichfalls aufgedruckten Identifizierung sowie einer fortlaufenden Nummerierung lassen sich manche Aspekte der Produktionsweise des Verlages nachvollziehen. So wird in den Jahren des Ersten wie des Zweiten Weltkrieges die Kartenproduktion nicht unterbrochen, werden weiterhin neue Gegenden und Motive erschlossen oder vorhandene wieder aufgelegt, was auf einen ständigen Bedarf auch in diesen Zeiten hinweist. Nicht immer erfolgt eine einheitliche Vergabe der Kartennummern, wenn beispielsweise Stücke mit identischen Nummern für unterschiedliche Motive vergeben werden oder dasselbe Motiv in einer späteren Auflage mit einer anderen Zahl versehen wird.

Die vorliegende Karte wurde 1906 als Photochromie herausgebracht, dieselbe Aufnahme ist im Jahr darauf auch in der schwarzweißen Fassung als Lichtdruck veröffentlicht worden. Ein Vergleich macht deutlich, dass die farbige Version einen kleineren Ausschnitt darstellt und einige Partien mittels Retusche überarbeitet worden sind. Dass manche Ansichten auch noch nach 14 Jahren ihre Liebhaber finden, belegt ein Exemplar von 1907, das 1921 ein Walter von Altaussee an seine liebe Flora nach Wien geschickt hat. Das Bild könnte noch heute Verwendung finden, denn die abgebildeten Bootshütten und Gebäude im Vordergrund sind weitgehend unverändert erhalten geblieben.

(Timm Starl)

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