Dezember 2017

Unbekannter Fotograf: „Bayr. Landes-Industrie- Gewerbe- und Kunst-Ausstellung Nürnberg 1882“, Postkarte, farbige Lithografie, ungelaufen; Privatsammlung.

Unbekannter Fotograf: „Bayr. Landes-Industrie- Gewerbe- und Kunst-Ausstellung Nürnberg 1882“, Postkarte, farbige Lithografie, ungelaufen; Privatsammlung.

Herausstellung einer Ausstellung

Das 19. Jahrhundert verstand es, sich und seine Errungenschaften wirksam zur Darstellung zu bringen. Zu den bevorzugten Mitteln gehörte die Ausstellung, mit der sich ebenso Krönungsjubiläen feiern wie die Produkte der Industrie, des Gewerbes und der Kunst dem Publikum näherbringen ließen. Berichte und Anzeigen in der Presse sowie Plakate machten die Veranstaltungen bekannt. Fotografen wurden beauftragt, von den Ausstellungshallen und den Ständen der Teilnehmer Aufnahmen anzufertigen, die zunächst als Originalabzüge, später in gedruckter Form vervielfältigt wurden. Noch vor Ausstellungsbeginn kamen Fotografien von der Adaptierung des Geländes und vom Bau der Anlagen in Umlauf.

Mit der illustrierten Postkarte trat ein Medium hinzu, das bildliche wie schriftliche Informationen aufzunehmen und zu niedrigen Tarifen zu verbreiten vermochte. Zumeist von den Veranstaltern herausgegeben, aber auch von ortsansässigen Verlagen in Eigenregie produziert, gelegentlich von teilnehmenden Firmen in Auftrag gegeben, konnten Serien oder einzelne Karten von Ausstellungsbesuchern erworben werden, die sie entweder als Erinnerungsstücke aufbewahrten oder an Verwandte und Bekannte verschickten. Gegen Ende des Jahrhunderts avancierten solche Ansichten überdies zu jenen Exemplaren, für die sich zunehmend Sammler interessierten. Deshalb lagen sie auch in Fotohandlungen und Papiergeschäften zum Verkauf aus.

Die früheste Bekanntmachung einer Ausstellung im deutschsprachigen Raum mittels fotografisch illustrierter Postkarte stellt insofern eine Besonderheit dar, als sie durch eine Ganzsache – das ist eine Karte mit eingedrucktem Wertzeichen – erfolgte. Herausgegeben von der Post des Königreiches Bayern, kostete das Porto fünf Pfennige und zeigte als Abbildung den Eingangsbereich zur »Bayr. Landes-Industrie- Gewerbe- & Kunst-Ausstellung Nürnberg 1882«. Dieselbe Ansicht wurde gleichzeitig mit dem zusätzlichen Aufdruck „Officielle Ausstellungs-Postkarten-Nr. 53“ herausgegeben, was allerdings nicht bedeuten muss, dass die anderen Nummern ebenfalls mit Aufnahmen von Gebäuden oder Exponaten ausgestattet waren.

Nachdem bislang lediglich „Specialausstellungen“ im Königreich Bayern stattgefunden hatten, wurde nach Bemühungen der „bayerischen Industrie- und Gewerbekreise“ 1882 „diese erste grössere Ausstellung des Landes seit Verfluss von vier Jahrzehnten“ arrangiert. „Als Hauptprogramm [...] war die Vorführung der sämmtlichen Erzeugnisse der Industrie des Landes festgesetzt worden“, wie ein zeitgenössischer Rezensent feststellte. Für das Ereignis wurde nicht nur mit Postkarten geworben, sondern es erschien auch ein vierteiliger „Officieller Führer“ in der Nürnberger Hofbuchdruckerei Bieling-Dietz. Zudem wurde eine Silbermünze geprägt.

2.414 Aussteller präsentierten ihre Erzeugnisse auf dem Maxfeld. Das Gelände umfasste 120.000 Quadratmetern und war von zwei Seiten mit der Pferdebahn zu erreichen. Das Areal wurde von dem Elektropionier Sigmund Schuckert elektrisch beleuchtet. Für die Stadt war die Veranstaltung ein riesiger Erfolg, man konnte 2 Millionen Besucher zählen. Dieser Zuspruch animierte zu weiteren Landesausstellungen, die 1896 und 1906 stattfinden sollten.

 

(Timm Starl)

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