Oktober 2018

Anny Hausjell: Fiat 500 B in der Siedlung Riedersbach, Postkarte, Gelatineabzug, nach 1978, ungelaufen; Privatsammlung.

Anny Hausjell: Fiat 500 B in der Siedlung Riedersbach, Postkarte, Gelatineabzug, nach 1978, ungelaufen; Privatsammlung.

Mein Haus, mein Auto…

Im Jahr 1947 kam es in Trimmelkamm in Oberösterreich, zur Gründung der Salzach-Kohlenbergbau-Gesellschaft, kurz SAKOG. Der kleine Ort mit nur wenigen hundert Einwohnern liegt an der deutschen Grenze, etwa dreißig Kilometer nordwestlich von Salzburg. Junge Bergleute aus der Steiermark, Kärnten oder Salzburg sowie zahlreiche Ungarn-Flüchtlinge aus 1956, wurden damals für den Abbau von Braunkohle angeheuert. Im nahegelegenen Ort Riedersbach entstand bald eine eigene Wohnsiedlung für die Arbeiter. Schmucklose, zweistöckige Reihenhäuser mit bescheidener Begrünung boten Platz zum Leben und für die Familie, zur Nahversorgung gab es eine Greißlerei, später einen Konsum-Markt. Eine Kirche durfte freilich nicht fehlen, und so entstand am Rand der Siedlung die Pfarre Riedersbach. Dort erinnern heute Plaketten mit Namen verunglückter Kumpels an den Bergbau, der 1994 eingestellt wurde.

Etwa in den späten 70er-Jahren entstand in der Siedlung das Foto eines Fiat 500 B, das die Bildseite einer ungelaufenen Ansichtskarte ziert. Der im Volksmund auch »Mäuschen« oder »Topolino« genannte Kleinwagen, mauserte sich auch aufgrund der günstigen Bauweise zu einem Verkaufsschlager. Wirtschaftswachstum und steigende Einkommen ließen nach dem Zweiten Weltkrieg Auto und Eigenheim zu leistbaren Anschaffungen werden. Der »Topolino« wurde bis 1955 hergestellt, darf zur Entstehungszeit des Fotos also eher zu den Oldtimern gezählt werden. Dennoch steht das Auto, geputzt und poliert, unmissverständlich im Zentrum der Bildfläche, inmitten beschaulich-familiärer Siedlungsidylle.

Die Fotografin Anny Hausjell war in Riedersbach ansässig, wie der Stempel auf der Rückseite verrät. Wahrscheinlich handelte es sich um eine »Berufstäterin«, für die es trotz der geringen Einwohnerzahl im Ort offensichtlich Bedarf gab. Es soll nicht ausgeschlossen werden, dass der Besitzer oder die Besitzerin der Karte auch andere Aufnahmen, beispielsweise der Familie besaß, allerdings lag ihm oder ihr wohl auch besonders daran, dieses Kleinod verewigt zu wissen. Zahlreiche Knicke, Flecken und Abriebstellen sprechen für wiederholte Handhabe, vielleicht sogar die ständige Mitnahme dieses Fotos.

Heute ist die Siedlung Riedersbach zur Hälfte geschrumpft und stark überaltert, denn durch den Wegfall des Bergbaus versiegte auch der Zuzug.

 

(Magdalena Vukovic)

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